Willst du dein Merch mit Bio-Baumwolle bewerben, landest du bei GOTS. Das Siegel ist streng. Es trägt aber nur, wenn die Kette bis zu deinem fertigen Teil geschlossen ist, und die Übersicht aller Nachweise steht unter Zertifizierungen.
Was GOTS für dein Merch bedeutet
GOTS zertifiziert Betriebe und die Ware, die durch sie läuft. Um ein Produkt als GOTS-zertifiziert zu verkaufen, muss jedes Unternehmen, das es verarbeitet, von einer zugelassenen, unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft sein, vom Spinnen über das Färben bis zum Nähen und zum Handel. Fehlt ein Glied, endet die Zertifizierung dort.
Geprüft wird in zwei Richtungen. Ökologisch geht es um die Faser aus biologischem Anbau und um die Chemikalien, die in der Nassveredelung eingesetzt werden dürfen. Sozial geht es um die Arbeitsbedingungen in den Betrieben, die bei jährlichen Kontrollen vor Ort geprüft werden. Wer die Chemikalienliste einhält und die sozialen Kriterien verfehlt, bekommt kein Zertifikat.
Das Kennzeichen hat zwei Stufen. Organic darf ein Teil heißen, wenn mindestens fünfundneunzig Prozent seiner Fasern aus zertifiziertem Bio-Anbau stammen. Bei siebzig bis vierundneunzig Prozent lautet die Stufe made with organic materials, ergänzt um den genauen Anteil. Für ein Shirt aus reiner Bio-Baumwolle spielt das keine Rolle, bei Mischgewebe mit Elasthan oder recyceltem Polyester entscheidet dagegen der Anteil über die Stufe.
Zwei Dokumente belegen die Zertifizierung. Das Scope-Zertifikat bestätigt, dass ein Betrieb an einem bestimmten Standort GOTS-Ware in bestimmten Produktgruppen herstellen oder handeln darf. Das Transaktionszertifikat bestätigt, dass eine konkrete Lieferung die Kriterien erfüllt, und nennt Produkt und Sendung. Für deine Bestellung zählt das zweite.
Auch das Label ist geregelt. Ein korrektes GOTS-Kennzeichen zeigt das Logo und die Stufe. Dazu kommen die Zertifizierungsstelle sowie die Nummer des zertifizierten Betriebs. Mit dieser Nummer kannst du den Betrieb in der öffentlichen Datenbank von GOTS nachschlagen, wo neben dem Standort häufig eine Kopie des Scope-Zertifikats hinterlegt ist.
Wann GOTS zu deinem Vorhaben passt
GOTS lohnt sich, sobald du die Zertifizierung nach außen trägst. Hat dein Unternehmen Nachhaltigkeitsziele in der Beschaffung, brauchst du dann einen Nachweis, den Dritte prüfen können, und für deine Marke mit Bio-Anspruch gilt dasselbe wie für einen Verein, der seinen Mitgliedern etwas zusagt. Ein Hinweis auf Bio-Baumwolle im Katalog ist das nicht.
Die Veredelung ist die Stelle, an der die Kette am häufigsten reißt. Ein zertifiziertes Shirt vom Blankware-Großhandel bleibt nur GOTS-Ware, wenn auch der Betrieb zertifiziert ist, der es mit deinem Motiv bedruckt oder bestickt, und wenn er freigegebene Farben und Hilfsmittel verwendet. Druckt eine Werkstatt ohne Zertifikat, gilt das fertige Teil nicht mehr als zertifiziert. GOTS untersagt für solche Teile ausdrücklich Formulierungen wie hergestellt aus GOTS-zertifiziertem Stoff, weil sie eine geschlossene Kette vortäuschen.
Der Handel zählt ebenfalls als Stufe. Kauft eine Druckerei zertifizierte Shirts über einen Großhändler, muss auch dieser Händler zertifiziert sein. Sonst kommt die Ware ohne Transaktionszertifikat in der Werkstatt an. Das betrifft auch deine Sammelbestellung über eine Agentur, die selbst Ware einkauft und weiterverkauft.
Das gilt auch für das Verfahren. Beim Druck reicht es deshalb nicht, wenn du nur nach der Machbarkeit fragst. Entscheidend ist, ob das Verfahren im Zertifikat des Textilveredlers abgedeckt ist. Siebdruck mit freigegebenen Farben und Stick lassen sich in der Regel zertifiziert umsetzen, bei Transferdruck hängt es an Film und Kleber.
Weil jeder Betrieb in der Kette die Prüfung trägt und seine Chemikalien freigeben lassen muss, führen weniger Veredler zertifizierte Abläufe. Deine Auswahl ist kleiner. Plane außerdem Zeit für die Abstimmung ein, welche Farben verfügbar sind, bevor du ein Motiv mit vielen Sonderfarben entwirfst, denn eine Pantone-Farbe aus dem Entwurf lässt sich nicht in jedem Fall mit freigegebenen Mitteln treffen.
Auch das Sortiment ist schmaler. Nicht jedes Modell einer Blankware-Marke gibt es als zertifizierte Variante, und nicht jede Farbe der Farbkarte ist darin enthalten. Wenn du eine Kollektion aus T-Shirt, Hoodie und Tasche planst, prüf deshalb zuerst die Lieferbarkeit und entwirf erst danach.
In deiner eigenen Kommunikation hilft Genauigkeit. Nenne auf der Produktseite die Stufe des Kennzeichens und beschränke die Aussage auf die Modelle, die sie tatsächlich tragen, weil eine Kollektion, in der nur die Shirts zertifiziert sind, keine GOTS-Kollektion ist und eine pauschale Aussage den Eindruck erweckt, den das Siegel verhindern soll.
Weniger passend ist GOTS, wenn du die Aussage gar nicht nach außen trägst. Dann genügt oft ein Modell aus Bio-Baumwolle, dessen Nachweis beim Hersteller liegt. Als GOTS-Ware bewerben darfst du es nicht.
Bei Polyester kommt GOTS nicht weit, weil sich das Siegel auf Naturfasern aus biologischem Anbau bezieht. Für Trikots oder Taschen aus recyceltem Material ist der Global Recycled Standard der passende Nachweis. Er arbeitet mit derselben Logik.
Wann ein Teil als GOTS-zertifiziert gilt
| Ausgangslage | Gilt das fertige Teil als GOTS-zertifiziert | Was fehlt |
|---|---|---|
| zertifizierte Blankware, zertifizierte Druckerei mit freigegebenen Farben, Transaktionszertifikat | ja | nichts |
| zertifizierte Blankware, Druckerei ohne Zertifikat | nein | die Zertifizierung der Veredelungsstufe |
| Bio-Baumwolle ohne Zertifikat entlang der Kette | nein | der Nachweis jeder Verarbeitungsstufe |
| zertifizierte Kette, Bio-Anteil zwischen siebzig und vierundneunzig Prozent | ja, als made with organic | nichts |
| zertifizierte Kette, Bio-Anteil unter siebzig Prozent | nein, ein GOTS-Kennzeichen ist nicht möglich | ein ausreichender Bio-Anteil |
OEKO-TEX Standard 100 ist enger gefasst. OEKO-TEX misst Schadstoffe am fertigen Artikel, gleich woher die Faser kommt. GOTS regelt Herkunft und Verarbeitung und begrenzt dabei die Chemikalien, und beide Nachweise auf einem Teil sind bei Kinderkleidung verbreitet.
Die Fair Wear Foundation hat einen anderen Gegenstand. Sie bewertet Marken, keine Betriebe. Verbindest du beides, sicherst du das Material über GOTS und die Arbeitsbedingungen zusätzlich über die Marke ab, bei der du die Blankware einkaufst.
Worauf du bei der Anbieterauswahl achten solltest
- Scope-Zertifikat des Anbieters. Lass es dir zeigen und gleiche es mit dem Eintrag in der öffentlichen Datenbank von GOTS ab. Achte besonders auf die Gültigkeit.
- Veredelung im Umfang. Druck oder Stick muss als Tätigkeit im Zertifikat stehen. Ein Zertifikat für den reinen Handel deckt deinen Druck nicht ab.
- Transaktionszertifikat für deine Lieferung. Lass es dir vor Produktionsstart schriftlich zusagen, nicht erst nach der Auslieferung.
- Kennzeichen mit allen Angaben. Logo und Stufe gehören auf das Label, dazu Zertifizierungsstelle sowie Betriebsnummer.
- Freigegebene Druckfarben. Klär vor dem Entwurf, welche Farben der Veredler zertifiziert einsetzen kann.
- Zertifizierte Modelle und Farben. Lass dir eine Liste der lieferbaren zertifizierten Varianten geben, bevor die Kollektion steht.
- Wortlaut deiner Werbung. Stimme ihn mit dem Anbieter ab, bevor er auf Shop oder Verpackung landet.
