Der Blankware-Großhandel verkauft unbedruckte Shirts und Hoodies an Veredler und Händler. Dort fällt die Entscheidung, welche Marke, welcher Schnitt und welche Grammatur später bedruckt wird. Das betrifft dich auch dann, wenn du selbst gar nicht dort bestellst und ein Veredler für dich einkauft, und welche Stationen davor und danach liegen, zeigt die Seite Geschäftsmodelle.
Was Blankware-Großhandel ist
Blankware ist das fertig genähte, unbedruckte Teil. Hergestellt wird es von Textilmarken, die Basics in großen Mengen und festen Farbkarten produzieren, meist in Werken außerhalb Europas. Der Großhandel kauft bei mehreren dieser Marken ein und lagert die Ware in Europa. Von dort geht sie an Druckereien und Werbeartikelhändler, häufig innerhalb weniger Werktage.
Die Zwischenstufe hat einen Grund. Marken beliefern kleine Betriebe selten direkt. Der Großhandel bündelt mehrere Marken in einem Katalog, hält Bestand in allen Größen vor und nimmt dem Veredler damit das Lagerrisiko ab. Er verdient an der Spanne zwischen Einkauf und Staffelpreis, und angebrochene Kartons oder Einzelstücke berechnen manche Großhändler mit Zuschlag.
Verkauft wird in der Regel nur an Gewerbekunden. Großhändler verlangen einen Gewerbenachweis oder eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer und arbeiten mit Preisstaffeln nach Menge. Als Privatperson oder kleiner Verein kommst du über einen Veredler an dieselbe Ware. Er bestellt sie für deinen Auftrag mit.
Ein Katalog ist nach Artikeln aufgebaut. Jedes Modell hat eine Artikelnummer und eine Farbkarte. Dazu kommen Größenlauf, Materialangabe und die Grammatur in g/m². Dieselbe Farbbezeichnung meint bei zwei Marken selten denselben Ton, und ein Heather Grey der einen Marke kann wärmer oder heller ausfallen als das der anderen.
Die Marken unterscheiden sich stärker, als ein Foto zeigt. Manche setzen auf gekämmte, ringgesponnene Baumwolle mit weichem Griff, andere auf robuste, günstige Qualitäten für große Auflagen. Einige führen Modelle mit einem Etikett, das sich heraustrennen lässt, damit ein eigenes Label eingenäht werden kann. Andere liefern Bio-Baumwolle mit Nachweis auf Produktebene.
Das Material entscheidet mit, welches Druckverfahren passt. Reine Baumwolle nimmt DTG gut an. Für Sublimation braucht es hellen Polyester, und Mischgewebe mit Polyesteranteil verlangen im Siebdruck angepasste Farben, weil der Farbstoff des Stoffs sonst in den Druck wandern kann.
Auch die Oberfläche verändert das Ergebnis. Auf glattem, gekämmtem Jersey liegen feine Linien scharf. Stoffe aus drei Fasern, oft als Tri-Blend verkauft, nehmen die Druckfarbe nicht an jeder Faser gleich an und wirken deshalb gewollt verwaschen. Für ein Poloshirt mit grober Piqué-Struktur ist Stick meist die sauberere Wahl als ein feiner Druck.
Katalogmodelle haben ein Ablaufdatum. Saisonfarben verschwinden nach einem Jahr, und auch Grundmodelle werden überarbeitet oder durch Nachfolger ersetzt. Viele Marken führen deshalb eine Grundlinie, die sie über Jahre in denselben Farben anbieten. Wenn du nachbestellen willst, wähl aus dieser Linie.
Wann du dich mit Blankware-Großhandel befasst
Das geschieht meistens indirekt. Der Veredler schlägt dir ein Modell vor, und du entscheidest anhand eines Musters. Trotzdem lohnt es sich, Marke und Artikelnummer zu kennen, denn dann kannst du zwei Angebote vergleichen, die dasselbe Teil bedrucken, und bei einem Anbieterwechsel dasselbe Teil wieder bestellen.
Direkt bestellst du, wenn du selbst veredelst oder die Ware beim Veredler anliefern willst. Das spart den Aufschlag. Dafür trägst du das Risiko falscher Größen und Fehlmengen, und viele Textilveredler schließen bei Ware, die du mitbringst, die Haftung für Fehldrucke aus.
Ist dein Motiv einfach, bestimmt die Blankware einen großen Teil des Stückpreises. Ein einfarbiger Druck kostet je Teil wenig. Das Shirt darunter macht dann den Unterschied zwischen zwei Angeboten, und die Frage nach der Marke bringt dir oft mehr als das Verhandeln über den Druckpreis.
Auch der Größenlauf kostet. Übergrößen ab XXL sind bei vielen Marken teurer als die gängigen Größen, und Damenschnitte gibt es nicht in jedem Modell. Ein Unisex-Schnitt sitzt nicht an jedem Körper gleich. Kleidest du ein Team ein, bestell deshalb vorher einen Größensatz zur Anprobe.
Große Auflagen in einer Farbe brauchen Vorlauf. Der Bestand eines Großhändlers reicht für übliche Aufträge, aber nicht jede Größe liegt in beliebiger Menge im Regal. Muss Nachschub aus dem Zentrallager der Marke kommen, verlängert sich die Lieferzeit um Wochen. Frag bei einer großen Bestellung früh nach, ob die Menge vorrätig ist, und lass sie gegebenenfalls reservieren.
Baumwolle kann beim ersten Waschen einlaufen. Vorgeschrumpfte Modelle tun das weniger. Sitzt die Größentabelle knapp, frag danach, bevor du die Auflage freigibst.
Für Siegel zählt, was auf Produktebene belegt ist. Eine Marke kann Mitglied der Fair Wear Foundation sein, einzelne Modelle können nach GOTS zertifiziert oder nach OEKO-TEX Standard 100 geprüft sein. Das gilt je Artikel. Ein anderes Modell derselben Marke trägt den Nachweis unter Umständen nicht.
Blankware-Großhandel im Vergleich
Blankware-Großhandel
Textilherstellung
Textildruck und Veredelung
Gegenüber der Textilherstellung tauschst du Freiheit gegen Tempo. Blankware ist sofort da, in bekannter Qualität und mit Größentabelle. Einen eigenen Schnitt bekommst du nicht.
Ein Mittelweg ist das neue Etikett. Der Veredler trennt das Markenetikett heraus und bringt dein eigenes Label an, gedruckt oder als Weblabel. Mit dem Austausch wechselt die Verantwortung. Wer den Inhalt eines Etiketts ändert, hat nach Artikel 15 Absatz 2 der EU-Textilkennzeichnungsverordnung die Pflichten eines Herstellers, und die Faserzusammensetzung muss auf dem neuen Etikett dauerhaft stehen.
Worauf du bei der Anbieterauswahl achten solltest
- Marke und Artikelnummer im Angebot. Ohne sie kannst du zwei Stückpreise nicht vergleichen, und deine Nachbestellung wird zum Ratespiel.
- Ein Muster in deiner Farbe. Farbkarten auf dem Bildschirm täuschen. Bestell ein Teil in dem Ton, den du drucken lassen willst.
- Die Größentabelle in Zentimetern. Schnitte fallen je Marke unterschiedlich aus. Vergleiche Brustbreite und Länge statt der Größenbuchstaben.
- Verfügbarkeit über die Zeit. Frag, ob das Modell zur dauerhaften Grundlinie gehört oder eine Saisonfarbe ist.
- Nachweise je Artikel. Lass dir das Zertifikat für das konkrete Modell zeigen und prüfe die Lizenznummer beim Standardgeber.
- Etikett und Relabeling. Kläre, ob sich das Markenetikett heraustrennen lässt, bevor du ein eigenes Label planst.
