Siebdruck lohnt sich bei wenigen Farben. Jede Farbe braucht ein eigenes Sieb, deshalb lässt du dir bei mehrfarbigen Motiven beide Varianten rechnen und fragst vor der ersten Bestellung, ob die Siebe für Nachbestellungen aufbewahrt werden. Welches Verfahren bei kleinen Mengen oder Fotos besser passt, zeigt die Übersicht der Druckverfahren.
Was Siebdruck ist
Ein Sieb ist Gewebe in einem Rahmen. Darauf kommt eine lichtempfindliche Schicht, die mit dem Motiv belichtet wird; wo kein Licht hinfällt, lässt sie sich auswaschen, und an diesen Stellen lässt das Gewebe später Farbe durch. Ein Rakel zieht die Farbe über das Sieb und drückt sie durch die offenen Stellen auf das Textil.
Aus dieser Anordnung folgt alles Weitere: Ein Sieb trägt nur eine Farbe. Ein vierfarbiges Motiv braucht vier Siebe, vier Durchgänge und vier Mal exaktes Ausrichten, damit die Farben aufeinandertreffen. Auf dunklen Textilien kommt meist ein Unterdruck in Weiß dazu, weil Farbe auf Schwarz sonst nicht deckt. Der zählt als eigene Farbe und als eigenes Sieb.
Damit liegt fast die ganze Arbeit vor dem ersten Teil. Siebe anfertigen, Farben anmischen, ausrichten, einen Probedruck ziehen. Das fällt einmal je Motiv an, ganz gleich ob zwanzig Teile folgen oder zweitausend. Der Druck selbst geht danach schnell.
Die Farbe liegt am Ende auf dem Gewebe. Man fühlt sie. Deshalb kann Siebdruck zwei Dinge, die kein digitales Verfahren kann: Sonderfarben exakt anmischen, statt sie aus Grundfarben anzunähern, und Effekte drucken, die Volumen brauchen. Puff hebt sich vom Stoff ab, Glitzer und Metallic tragen Partikel, Neon leuchtet, weil das Pigment dick genug aufliegt.
Wie gedruckt wird, unterscheidet sich zwischen Anbietern stärker, als das Verfahren vermuten lässt. Auf einem Handkarussell dreht jemand die Teile von Station zu Station; das ist bei kleinen Auflagen wirtschaftlich und bei vielen Farben mühsam. Eine automatische Presse arbeitet schneller und gleichmäßiger, verlangt aber eine Menge, die den Rüstaufwand trägt. Beides liefert saubere Ergebnisse. Es erklärt aber, warum Mindestmengen so weit auseinanderliegen.
Plastisol ist die verbreitete Farbe. An der Luft trocknet sie nicht. Sie wird unter Hitze fixiert und ist danach waschbeständig. Wasserbasierte Farben ziehen stärker ins Gewebe ein und fühlen sich weicher an, verlangen aber mehr Sorgfalt beim Verarbeiten. Wenn dir der Griff wichtig ist, frag im Angebot danach, womit gedruckt wird.
Wann sich Siebdruck lohnt
Zwei Größen entscheiden, und sie hängen zusammen: die Auflage und die Zahl der Farben. Eine feste Stückzahl, ab der es sich rechnet, gibt es deshalb nicht.
Bei einem einfarbigen Motiv ist die Einrichtung klein. Ein Sieb, ein Durchgang. Der Aufwand verteilt sich dann schon auf überschaubare Mengen. Bei sechs Farben stehen sechs Siebe davor, und die Auflage muss deutlich größer sein, damit dieselbe Rechnung aufgeht. Die sinnvolle Frage lautet also „ab wie vielen Stück bei wie vielen Farben". Lass dir beide Varianten im selben Angebot rechnen.
Bei Fotos wird es eng. Verläufe entstehen im Siebdruck über ein Raster aus feinen Punkten, die aus Abstand als Zwischenton wirken. Das geht, kostet zusätzliche Siebe und erreicht die Auflösung eines Direktdrucks trotzdem nicht. Für Fotomotive liegt DTG näher an dem, was du erwartest.
Umgekehrt wird Siebdruck an einer Stelle mit der Zeit stärker: bei der Nachbestellung. Siebe lassen sich aufbewahren. Tut ein Anbieter das, entfällt beim zweiten Lauf desselben Motivs ein großer Teil der Einrichtung. Diese Frage lohnt sich vor der ersten Bestellung. Danach lässt sie sich nicht mehr stellen.
Der dritte Grund ist die Markenfarbe. Hat dein Logo einen festgelegten Farbton, wird er im Siebdruck angemischt und getroffen. Digitale Verfahren setzen ihn aus ihren Grundfarben zusammen und kommen nah heran, aber nicht exakt. Für eine Marke, die über Jahre gleich aussehen soll, ist das ein handfestes Argument.
Was du mitliefern musst, ist enger gefasst als bei den digitalen Verfahren. Gebraucht wird eine Vektordatei, in der jede Farbe als eigene Fläche vorliegt, dazu die Angabe, welcher Farbton gemeint ist. Ein JPEG genügt nicht: Aus einem Pixelbild lassen sich die Farbauszüge nur nachbauen, und das ist Arbeit, die im Angebot als Position auftaucht. Wer die Datei sauber anliefert, spart hier mehr als am Stückpreis.
Siebdruck im Vergleich
Siebdruck
DTG
DTF
Transferdruck
Bei kleinen Mengen ist DTG der Nachbar. Dort fällt kein Sieb je Farbe an, dafür sinkt der Stückpreis mit der Auflage deutlich langsamer. Wer zwanzig Shirts mit einem Fotomotiv braucht, ist dort richtig; wer dreihundert mit einem zweifarbigen Logo braucht, im Siebdruck.
Bei schwierigen Materialien hilft DTF. Auf Polyester und beschichteten Geweben ist Siebdruck heikel, weil die Farbe schlechter haftet und der Untergrund ausbluten kann. DTF überträgt das Motiv als fertigen Film und ist dabei unempfindlicher gegenüber dem, was darunter liegt.
Daneben steht Stick. Er lohnt den Vergleich, wenn das Motiv klein ist und lange halten soll. Er rechnet nach Stichzahl statt nach Farben und ist deshalb bei kleinen Logos oft konkurrenzfähig, bei großen Flächen selten.
Worauf du bei der Anbieterauswahl achten solltest
Diese Punkte machen den Unterschied aus, und keiner davon steht im Stückpreis:
- Mindestbestellmenge. Sie schwankt zwischen Anbietern erheblich und ist der häufigste Grund, warum eine Anfrage scheitert.
- Wie viele Farben im Preis enthalten sind. Manche Angebote nennen einen Stückpreis für bis zu zwei Farben, jede weitere kostet extra. Ohne diese Angabe sind zwei Angebote nicht vergleichbar.
- Ob der Unterdruck als Farbe zählt. Auf dunklen Textilien ist er in der Regel nötig. Wird er mitgezählt, ist dein zweifarbiges Motiv ein dreifarbiges.
- Sonderfarben. Frag nach, ob nach einem definierten Farbton angemischt wird oder aus einem festen Sortiment gewählt.
- Andruck vor der Auflage. Frag, ob du ein gedrucktes Teil freigeben kannst, bevor die ganze Menge läuft. Bei Sonderfarben ist das der einzige verlässliche Abgleich mit deinem Farbton.
- Aufbewahrung der Siebe. Entscheidet über die Kosten jeder Nachbestellung.
- Lieferzeit. Für Termine ohne Spielraum ist sie wichtiger als der Preis.
