Frag zuerst, welche Technik gemeint ist. Transferdruck ist ein Sammelbegriff für geschnittene Folie, Flock, Siebdrucktransfer und digital gedruckte Transfers, und je nach Technik unterscheiden sich Preis und Haltbarkeit erheblich. Wie sich die einzelnen Verfahren abgrenzen, zeigt die Übersicht aller Druckverfahren.
Was Transferdruck ist
Transferdruck ist ein Sammelbegriff, und das ist der wichtigste Satz auf dieser Seite. Gemeinsam ist allen Verfahren darunter nur das Prinzip: Das Motiv entsteht zuerst getrennt vom Textil und wird danach mit Hitze und Druck übertragen. Was übertragen wird, unterscheidet sich stark. Wer ein Angebot mit dem Wort „Transferdruck" bekommt, weiß deshalb noch fast nichts.
Zwei Familien stecken darin. Die erste ist die geschnittene Folie. Ein Plotter schneidet das Motiv aus einer einfarbigen Folienbahn, überflüssiges Material wird von Hand entfernt, der Rest wird aufgepresst. Jede Farbe ist eine eigene Lage, die einzeln geschnitten und einzeln aufgebracht wird. Flexfolie ist glatt und dünn, Flockfolie trägt kurze Fasern und fühlt sich samtig an.
Die zweite Familie ist der gedruckte Transfer. Hier wird das Motiv auf ein Trägermaterial gedruckt, entweder im Siebdruckverfahren auf Transferpapier oder digital. Was dabei entsteht, ist ein fertiges Motiv auf Vorrat, das erst später auf ein Textil kommt. Auch DTF gehört technisch in diese Familie, wird aber inzwischen als eigenes Verfahren geführt, weil es sich in der Praxis anders verhält.
Der gemeinsame Vorteil ist eine Entkopplung. Kein Direktdruckverfahren bietet sie. Motiv und Textil müssen nicht zur selben Zeit am selben Ort sein. Transfers lassen sich lagern, mitnehmen und dann aufbringen, wenn feststeht, welche Größe und welche Farbe gebraucht wird. Für Sortimente mit vielen Varianten und unsicherem Absatz ist das ein echter Hebel.
Der gemeinsame Nachteil ist ebenso deutlich. Das Motiv liegt auf dem Stoff, nicht darin. Es hat eine Kante, es verändert den Griff, und bei großen Flächen verringert es die Atmungsaktivität spürbar. Je größer das Motiv, desto stärker fällt das ins Gewicht.
Über die Haltbarkeit entscheidet das Aufpressen. Nicht die Technik. Temperatur, Anpressdruck und Zeit müssen zum Material und zum Transfer passen. Zu kalt gepresst löst sich zuerst die Kante, zu heiß zeichnet der Stoff oder die Folie glänzt. Das ist der Grund, warum dasselbe Verfahren bei zwei Anbietern unterschiedlich lange hält.
Bei geschnittener Folie gibt es eine Einschränkung, die im Entwurf mitgedacht werden muss. Nach dem Schneiden wird von Hand entgittert, also alles entfernt, was nicht zum Motiv gehört. Sehr feine Linien, kleine Punzen in Buchstaben und filigrane Ornamente lassen sich kaum sauber herauslösen und gehen dabei verloren. Ein Schriftzug funktioniert gut. Ein detailliertes Wappen ist der falsche Kandidat, und zwar unabhängig vom Preis.
Wann sich Transferdruck lohnt
Der klarste Fall sind Einzelstücke mit wechselndem Inhalt. Namen, Nummern, Startnummern, Trikots für eine namentlich bekannte Mannschaft. Geschnittene Flexfolie ist dafür gemacht: Jedes Teil ist anders, und weil nichts eingerichtet wird, kostet die Abwechslung fast nichts. Ein Siebdruck müsste für jede Variante neu rüsten. Für Vereine ist das der übliche Weg.
Der zweite Fall ist weniger bekannt und wirtschaftlich der interessantere: der Siebdrucktransfer. Dabei werden Transferbögen im Siebdruck vorproduziert, mit allen Vorteilen des Verfahrens, also exakten Sonderfarben und niedrigem Stückpreis in der Menge. Aufgepresst wird erst später und nur so viel, wie tatsächlich gebraucht wird. Damit bekommst du die Preisstruktur einer Auflage, ohne die Größen und Farben vorher festlegen zu müssen. Für Tourware und Eventbestände ist das die Antwort auf ein Problem, das sonst niemand löst.
Der dritte Fall ist Material. Weil nichts in die Faser eindringen muss, funktioniert Transfer auf Mischgeweben, Polyester und beschichteter Ware. Bei einer Kollektion, die Baumwolle und Sportware mischt, hältst du damit ein einheitliches Ergebnis.
Wo es nicht passt, ist ebenso klar. Große, vollflächige Fotomotive mit weichem Griff sind der Fall für DTG oder wasserbasierten Siebdruck. Sehr dehnbare Ware ist ein Grenzfall, weil die Folie die Dehnung mitmachen muss. Und wenn das Motiv unsichtbar in den Stoff gehen soll, ist Sublimation das Verfahren, nicht dieses.
Transferdruck im Vergleich
Flexfolie
Flockfolie
Siebdrucktransfer
DTF
Die häufigste Frage betrifft den Unterschied zu DTF, und die Antwort ist unbequem: Technisch ist DTF ein Transferverfahren. In der Praxis meint „Transferdruck" im Angebot aber meistens geschnittene Folie oder Siebdrucktransfer, während DTF getrennt geführt wird. Frag deshalb nach der Technik und nicht nach dem Oberbegriff.
Gegenüber dem direkten Siebdruck ist der Siebdrucktransfer ein Tausch. Du zahlst einen Aufschlag für Trägermaterial und den zweiten Arbeitsgang und bekommst dafür die Freiheit, später zu entscheiden. Bei sicherer Planung ist der Direktdruck günstiger. Bei unsicherem Absatz ist der Transfer billiger als die Ware, die du sonst zu viel bestellst.
Flockdruck steht als eigener Eintrag daneben. Technisch ist es dasselbe Prinzip mit anderem Folienmaterial, aber das Ergebnis unterscheidet sich so deutlich, dass eine gemeinsame Behandlung niemandem hilft.
Worauf du bei der Anbieterauswahl achten solltest
Bei diesem Verfahren ist eine Frage wichtiger als alle anderen:
- Welche Transfertechnik gemeint ist. Ohne diese Angabe ist ein Angebot nicht bewertbar. Geschnittene Folie, Siebdrucktransfer und digital gedruckter Transfer haben verschiedene Preisstrukturen und verschiedene Ergebnisse.
- Farbauswahl bei Folie. Flex- und Flockfolien kommen aus einem festen Sortiment. Ein frei definierter Markenton ist damit nicht in jedem Fall erreichbar; im Siebdrucktransfer schon.
- Ob Transfers auf Vorrat produziert werden. Das ist der eigentliche Vorteil des Verfahrens und keine Selbstverständlichkeit. Frag nach, ob Bögen auf Lager gelegt und später abgerufen werden können.
- Preis je Zeichen bei Namen und Nummern. Personalisierung wird oft pro Zeichen abgerechnet. Bei einer ganzen Mannschaft macht das den Unterschied.
- Waschempfehlung. Ein Anbieter, der Temperatur und Trocknerfreigabe klar benennt, hat den Pressvorgang im Griff.
- Mindestbestellmenge. Bei geschnittener Folie liegt sie oft bei einem Stück, beim Siebdrucktransfer deutlich höher, weil dort eine Auflage vorproduziert wird.
- Ob das Aufpressen enthalten ist. Manche Anbieter liefern nur die Transfers. Das kann gewollt sein, wenn du selbst pressen willst, und eine Überraschung, wenn nicht.
