Einordnung
Welches Verfahren zu deinem Auftrag passt, entscheiden drei Größen: die Auflage, die Zahl der Farben und das Material. Siebdruck wird mit der Stückzahl günstiger, weil das Sieb je Farbe nur einmal anfällt; digitale Verfahren haben ebenfalls Kosten je Auftrag, aber kein Sieb je Farbe, ihr Stückpreis sinkt deshalb deutlich langsamer. Stick rechnet anders, nach Stichzahl.
Wenn zwei Angebote für dasselbe Shirt weit auseinanderliegen, steckt der Unterschied oft im Verfahren: das eine ist im Siebdruck kalkuliert, das andere digital. Das ist keine Preispolitik. Das ist die Kostenstruktur des Verfahrens.
Kaum ein Anbieter deckt alle Verfahren ab. Steht dein Motiv fest und kennst du das Textil, fällt hier deshalb schon ein großer Teil der Anbieter heraus. Ob ein Anbieter ein Verfahren im eigenen Haus fährt oder zukauft, steht auf dieser Achse allerdings nicht. Sie sagt, dass er Aufträge dafür annimmt, und nicht mehr.
Welches Verfahren zu welcher Auflage passt
Die erste Trennlinie verläuft zwischen Verfahren mit Einrichtung und Verfahren ohne. Siebdruck braucht je Farbe ein eigenes Sieb. Diese Arbeit fällt einmal an, ganz gleich ob zehn Teile folgen oder tausend. Bei den digitalen Verfahren fallen ebenfalls Kosten je Auftrag an, etwa für die Vorbereitung der Druckdatei, aber kein Sieb je Farbe. Deshalb sinkt ihr Stückpreis mit der Auflage deutlich langsamer als im Siebdruck; bestimmt wird er vor allem von Motivgröße und Tintenmenge, auf dunklem Textil auch von der weißen Grundschicht unter den Farben. Daraus ergibt sich der Umschlagpunkt: Je größer die Auflage und je weniger Farben das Motiv trägt, desto früher ist Siebdruck der günstigere Weg. Ein Foto mit weichen Verläufen dreht die Rechnung um, weil es für den Siebdruck in einzelne Farbauszüge zerlegt werden müsste. Eine feste Stückzahl für diesen Umschlagpunkt gibt es nicht, weil sie an der Farbanzahl und der Größe deines Motivs hängt – lass dir deshalb im selben Angebot beide Varianten rechnen, statt nach einer allgemeinen Schwelle zu suchen.
Die zweite Frage ist das Textil, und sie kommt vor der Verfahrensfrage. Baumwolle verträgt fast jedes Verfahren. Polyester und beschichtete Gewebe engen die Auswahl ein, weil Direktdruck und Hitze dort an Grenzen stoßen und die Farbe entweder nicht hält oder das Material zeichnet. Eine einzige Kollektion kann deshalb zwei Verfahren brauchen. Das Baumwollshirt läuft anders als die Softshelljacke daneben, und wer beides aus einer Hand will, sucht den Anbieter nach dem schwierigeren Teil aus.
Stick rechnet nach einer anderen Größe als jedes Druckverfahren: nach Stichzahl. Farben sind dabei fast umsonst, ein zusätzlicher Garnton kostet einen Wechsel und sonst wenig. Teuer wird die Fläche. Ein kleines Logo auf der Brust ist im Stick oft konkurrenzfähig, ein großflächiges Motiv auf dem Rücken fast nie. Dünne und stark dehnbare Stoffe setzen zusätzlich Grenzen, weil die Nadel das Gewebe belastet. Bei Arbeitskleidung, die täglich in die Wäsche geht, ist genau das der Grund, warum trotzdem gestickt wird.
Nicht jedes Verfahren auf dieser Achse läuft auf Textil. Prägung, Folienprägung und Lasergravur arbeiten auf Metall, Holz, Leder oder Kork. Gedruckt wird dort nicht. Die Oberfläche wird verformt, abgetragen oder mit einer Metallfolie belegt, und ein Farbmotiv im üblichen Sinn gibt es nicht. Für eine Kollektion, die Textilien und harte Ware mischt, ist das die Stelle, an der die Anbieterauswahl am schnellsten kleiner wird: Entweder ein Anbieter nimmt beides an, oder der Auftrag wird geteilt.
Häufige Fragen
Ab welcher Stückzahl lohnt sich Siebdruck?
Der Umschlagpunkt hängt vor allem an der Farbanzahl und nicht an einer festen Stückzahl. Einfarbig liegt er niedrig. Es fällt nur ein Sieb an. Bei vier Farben braucht es vier Siebe, und die Auflage muss entsprechend größer sein, damit sich diese Arbeit verteilt. Ein großes Motiv verteuert den Digitaldruck je Stück, dann lohnt sich Siebdruck schon bei kleinerer Auflage. Lass dir beide Wege im selben Angebot rechnen, dann siehst du den Punkt für dein Motiv statt für ein fremdes.
Auf welchen Produkten lässt sich welches Verfahren umsetzen?
Flache Textilfläche nimmt fast jedes Verfahren an, das gilt für Shirt und Tote Bag gleichermaßen. Gewölbte und harte Oberflächen schließen den Direktdruck aus: Bei Tassen und Bechern bleiben Sublimation oder Gravur, bei Caps und Beanies meist Stick. Socken sind gestrickt. Dort wird das Motiv eingestrickt und nicht gedruckt. Auf der jeweiligen Produktseite steht, welche Anbieter das Teil annehmen.
Welches Verfahren übersteht die Wäsche am besten?
Stick. Das Motiv besteht aus Faden und nicht aus einer Schicht, die obenauf liegt. Bezahlt wird das mit der Fläche und mit dem Verlust feiner Details. Bei den Druckverfahren entscheidet weniger das Verfahren selbst als die Vorbehandlung und die eingehaltene Fixierzeit; ein sauber fixierter Siebdruck hält länger als ein schnell aufgepresster Transfer. Für Arbeitskleidung ist das der Grund, warum trotz höherer Kosten gestickt wird.
Welche Angaben braucht ein Anbieter, um zu kalkulieren?
Vier Angaben reichen: Stückzahl, Produkt mit Größenverteilung, das Motiv in Druckgröße und die Zahl der Farben. Fehlt die Farbanzahl, rechnet ein Anbieter im Siebdruck auf Verdacht und legt den ungünstigsten Fall zugrunde. Für Siebdruck und die Folienverfahren brauchst du eine Vektordatei; für die digitalen Verfahren genügt eine Bilddatei in ausreichender Auflösung.
Kommt bei einem Full-Service-Shop noch eine Einrichtungsgebühr dazu?
Möglich, und das ist eine andere Gebühr als die Einrichtung des Druckverfahrens oben. Ein Full-Service-Anbieter, der dauerhaft einen Shop für dich betreibt, kann zusätzlich eine einmalige Einrichtungsgebühr für den Shop selbst verlangen, unabhängig vom Druckverfahren. Bei LV Merch liegt sie im kleinsten Tarif bei ab 290 Euro. Frag jeden Full-Service-Anbieter, was darin enthalten ist und was danach monatlich als Lagerkosten läuft.
Sagt diese Achse, ob ein Anbieter ein Verfahren selbst im eigenen Haus fährt?
Nein. Sie sagt nur, dass ein Anbieter Aufträge für ein Verfahren annimmt, nicht, ob er es selbst fährt oder an einen weiteren Betrieb weitergibt. Beides ist in der Branche üblich und für sich genommen kein Warnsignal. Wichtiger ist, wer bei einem Fehldruck haftet und wie schnell nachproduziert werden kann – das hängt an der tatsächlichen Rolle, nicht an dieser Achse.
Redaktionelle Einordnung, keine Anbieterangabe. Stand 13.10.2026.
