Ein Weblabel ist ein gewebtes Etikett, das im Nacken oder an der Seitennaht eingenäht wird. Im Merch ersetzt es meist das Etikett des Blankware-Herstellers, damit dein bedrucktes Katalogshirt nach deiner Marke aussieht. Mit dem Tausch übernimmst du Pflichten, die vorher der Hersteller trug. Den Anhänger aus Karton beschreibt die Seite Hangtags, die weiteren Schritte zwischen Druck und Versand stehen unter Fulfillment.
Was ein Weblabel ist
Gewebt wird das Motiv aus feinen Fäden, nicht aufgedruckt. Das macht die Schrift scharf und das Etikett haltbar, denn es übersteht viele Wäschen ohne zu verblassen. Dafür ist es etwas steifer als ein bedrucktes Band und kann am Nacken kratzen, wenn die Kanten hart geschnitten sind. Frag nach weichem Material und nach Kanten, die beim Schneiden verschweißt oder umgeschlagen werden.
Daneben gibt es zwei Varianten. Ein gedrucktes Label aus Satin oder Baumwollband fühlt sich weicher an, verliert aber mit der Zeit an Farbe. Beim Nackendruck entfällt das Etikett ganz, und Marke samt Größe stehen direkt auf dem Stoff, gedruckt im Siebdruck oder als Transfer. Viele Marken kombinieren beides: den Nackendruck für den Auftritt und ein kleines Etikett an der Seitennaht für die Pflichtangaben.
Auch die Position ist eine Entscheidung. Im Nacken sitzt das Label mittig und wird beim Anziehen gesehen. An der Seitennaht oder am Saum außen wird es zum sichtbaren Markenzeichen, das auf Fotos auffällt. Wie das Label gefaltet ist, bestimmt, ob es flach anliegt oder als Schlaufe absteht, und das klärst du am Muster, nicht am Bildschirm.
Relabeling: das Etikett tauschen
Beim Relabeling trennt der Veredler das Herstelleretikett heraus und näht dein Label ein. Leicht geht das bei Blankware mit einem Etikett zum Abreißen, das einige Marken im Blankware-Großhandel eigens dafür führen. Bei fest eingenähten Etiketten bleibt ein Rest in der Naht, oder der Stoff bekommt beim Heraustrennen kleine Löcher. Frag deshalb vor der Wahl des Modells, ob es sich umlabeln lässt.
Die Labels selbst kommen aus einer Weberei. Sie haben eine eigene Mindestmenge, die oft höher liegt als die Auflage deiner ersten Kollektion, und eine Lieferzeit von mehreren Wochen, bevor das erste Teil genäht werden kann. Stattest du mehrere Modelle mit demselben Markenlabel aus, verteilst du die Menge und kannst sie auf Vorrat legen. Die Größe steht dann auf einem kleinen zweiten Etikett oder im Nackendruck.
Auf deiner Rechnung stehen mehrere Posten für einen Handgriff, den am fertigen Shirt kaum jemand bemerkt. Neben den Labels selbst berechnet der Veredler das Heraustrennen und das Einnähen meist getrennt je Teil, und bei kleinen Auflagen übersteigt diese Konfektion schnell den Preis des Drucks. Plane die Zeit ebenfalls ein: Jedes Teil geht einzeln über die Nähmaschine, und das verlängert die Produktion um Tage.
Was auf das Etikett gehört
Die Pflicht beginnt bei den Fasern. Nach der Textilkennzeichnungsverordnung (EU) Nr. 1007/2011 wird jedes Textilerzeugnis mit seiner Faserzusammensetzung etikettiert, und ein Etikett muss dauerhaft, leicht lesbar, sichtbar und fest angebracht sein (Art. 14 Abs. 1). Ein Label, dessen Schrift nach einigen Wäschen verschwimmt, erfüllt das nicht. Gewebte Etiketten haben hier einen Vorteil gegenüber bedruckten Bändern.
Die Sprache legt das Land fest, in dem du verkaufst. In Deutschland stehen die Angaben auf Deutsch (§ 4 TextilKennzG), weitere Sprachen dürfen dazukommen. Verschickst du auch nach Frankreich oder Italien, brauchst du dort die jeweilige Landessprache und planst ein Etikett mit mehreren Sprachen oder getrennte Auflagen.
Mit dem neuen Label wirst du selbst zum Hersteller. Die Verordnung ordnet einem Händler diese Rolle zu, sobald er ein Erzeugnis unter eigenem Namen oder eigener Handelsmarke in Verkehr bringt, das Etikett selbst anbringt oder dessen Inhalt ändert (Art. 15 Abs. 2). Die Werte für die Faserzusammensetzung verantwortest dann du, auch wenn der Veredler näht. Lass dir das Datenblatt der Blankware geben und übertrage die Angaben wörtlich, statt sie aus dem Gedächtnis zu schreiben.
Die Produktsicherheitsverordnung (EU) 2023/988 verlangt dazu Kontaktangaben. Wer ein Produkt unter eigener Marke in Verkehr bringt, gilt auch dort als Hersteller (Art. 13 Abs. 1) und gibt Namen oder Marke, Postanschrift und E-Mail-Adresse an, und zwar auf dem Produkt selbst oder, wenn das nicht möglich ist, auf der Verpackung oder einer beigefügten Unterlage (Art. 9 Abs. 6). Dazu kommt eine Typen-, Chargen- oder Seriennummer, über die sich das Teil identifizieren lässt (Art. 9 Abs. 5). Auf einem schmalen Nackenlabel wird das eng. Viele Marken nähen deshalb ein zweites, längeres Etikett in die Seitennaht, auf dem die Pflichtangaben untereinander stehen, während das Nackenlabel nur die Marke zeigt.
Pflegesymbole schreibt weder die Textilkennzeichnungsverordnung noch das deutsche Gesetz vor. Deine Käufer suchen trotzdem nach Waschtemperatur und Trockner, und ein Shirt ohne diese Angaben kommt eher verzogen zurück. Übernimm die Pflegehinweise der Blankware und senke die Temperatur, wenn der Druck das verlangt.
Bewahre die Unterlagen auf. Hersteller müssen die Unterlagen, auf denen die Angabe der Faserzusammensetzung beruht, zwei Kalenderjahre lang aufheben, gerechnet ab dem Ende des Jahres, in dem das letzte betroffene Teil in Verkehr gebracht wurde (§ 5 Abs. 1 TextilKennzG). Leg dafür das Datenblatt der Blankware zusammen mit der Bestellung beim Veredler ab, damit sich bei einer Nachfrage der Behörde zeigen lässt, woher jede Angabe stammt.
Die Varianten im Vergleich
Gewebtes Label
Gedrucktes Label
Nackendruck
Etikett des Herstellers
Worauf du bei der Anbieterauswahl achten solltest
- Umlabeln im Haus. Frag, ob der Anbieter selbst näht oder einen Partner beauftragt, und wie sich das auf die Lieferzeit auswirkt.
- Modell mit Abreißetikett. Kläre vor der Bestellung, ob sich das Herstelleretikett ohne Löcher entfernen lässt.
- Mindestmenge der Labels. Lass dir die Auflage der Weberei nennen und frag, ob Restlabels für die Nachbestellung eingelagert werden.
- Kosten je Teil. Lass Heraustrennen und Einnähen getrennt vom Druck ausweisen.
- Pflichtangaben. Stimme Faserzusammensetzung und Herstellerangaben vor dem Weben ab, denn ein fertiges Label lässt sich nicht korrigieren.
- Muster. Bestell ein genähtes Teil, wasch es einmal und prüf danach, ob das Label noch flach sitzt und lesbar bleibt.
