Nach OEKO-TEX Standard 100 fragen Einkäufer vor allem bei Kinderkleidung und bei Teilen mit engem Hautkontakt. Der Nachweis gilt für das geprüfte Teil. Über das, was davor in der Lieferkette oder danach mit deinem Motiv in der Druckerei passiert, sagt er nichts, und die anderen Siegel findest du auf der Seite Zertifizierungen.
Was OEKO-TEX Standard 100 für dein Merch bedeutet
Geprüft wird ein Artikel mit allen seinen Bestandteilen. Bei einem Hoodie gehören neben Oberstoff und Nähgarn auch Reißverschluss und Kordel dazu. Das Prüfinstitut untersucht diese Teile auf mehr als tausend Schadstoffe, und die Grenzwerte berücksichtigen gesetzliche Vorgaben wie die europäische Chemikalienverordnung REACH. Die Grenzwerte werden jedes Jahr überarbeitet.
Der Standard ist freiwillig. Die Chemikalienverordnung gilt für jedes Textil, das in der Europäischen Union verkauft wird, auch ohne Siegel. OEKO-TEX macht die Einhaltung einer umfangreichen Grenzwertliste über eine unabhängige Prüfung sichtbar und damit für dich überprüfbar, auch wenn du das Labor nicht selbst beauftragen kannst.
Aufgebaut ist er modular. Sind alle Komponenten eines fertigen Produkts bereits nach Standard 100 geprüft, entfallen für das Endprodukt die Prüfkosten. Deshalb findest du Zertifikate auf ganz unterschiedlichen Stufen, für ein Garn ebenso wie für einen Stoff oder den fertigen Artikel. Welche Stufe gemeint ist, steht im Zertifikat. Ein geprüfter Stoff ergibt noch kein geprüftes Shirt.
Wie streng die Grenzwerte ausfallen, hängt von der Produktklasse ab. Je intensiver der Hautkontakt und je empfindlicher die Haut, desto strenger die Anforderungen. Die Tabelle zeigt die vier Klassen. Für einen Babybody taugt deshalb nur ein Zertifikat der ersten Klasse.
Das Zertifikat gilt ein Jahr. Danach muss der Hersteller neu prüfen lassen, und ohne neue Prüfung verliert das Label seine Grundlage, auch wenn es noch auf eingenähten Etiketten im Lager steht. Bei Katalogmodellen, die über mehrere Saisons angeboten werden, wirf einen Blick auf das Datum. Bei Rahmenverträgen über längere Zeit lass dir das neue Zertifikat zuschicken, sobald es vorliegt.
Jedes Label trägt eine Zertifikatsnummer, auf neueren Labels zusätzlich einen QR-Code. Im Label Check auf der Website von OEKO-TEX siehst du damit, auf welchen Betrieb die Nummer ausgestellt ist und für welche Artikel und welche Klasse sie gilt. Auch die Gültigkeit steht dort. Das dauert eine Minute.
Die vier Produktklassen
| Klasse | Wofür sie gedacht ist | Beispiele im Merch |
|---|---|---|
| Klasse I | Artikel für Babys und Kleinkinder, strengste Grenzwerte | Babybody, Lätzchen, Kindershirt |
| Klasse II | Textilien mit direktem Hautkontakt | T-Shirt, Tank-Top, Socken, Trikot |
| Klasse III | Textilien ohne direkten Hautkontakt | Jacke, Weste, Windbreaker |
| Klasse IV | Ausstattungsmaterialien für dekorative Zwecke | Tischdecke oder Stoffbezug am Messestand |
Die Zuordnung in der rechten Spalte ist eine Orientierung. Maßgeblich ist, für welche Klasse der Hersteller seinen Artikel hat prüfen lassen, und das steht im Zertifikat. Legt dir ein Anbieter für ein Kindershirt nur ein Zertifikat der zweiten Klasse vor, reicht das für Kleinkinder nicht aus, auch wenn das Modell in Kindergrößen im Katalog steht.
Wann OEKO-TEX Standard 100 zu deinem Vorhaben passt
Am wichtigsten ist der Nachweis, wenn dein Merch für Kinder gedacht ist. Eltern fragen gezielt danach. Für eine Kita-Aktion, ein Fanshirt in Kindergrößen oder einen Babybody als Geschenk für Mitarbeitende mit Nachwuchs brauchst du deshalb Ware der ersten Klasse. Bei T-Shirts und Socken, die lange direkt auf der Haut getragen werden, ist der Nachweis ein sinnvoller Mindeststandard.
Bestellst du für ein Unternehmen, gibt es einen zweiten Grund. Manche Richtlinien schreiben einen Schadstoffnachweis für Textilien vor, die an Mitarbeitende oder Kunden gehen. OEKO-TEX Standard 100 ist dafür ein verbreiteter Beleg, weil viele Blankware-Marken ihn für ihr Grundsortiment führen.
Die entscheidende Einschränkung liegt in der Veredelung. Das Zertifikat gilt für die Artikel, die geprüft wurden. Bringt danach eine Druckerei dein Motiv auf, gehört dieser Druck nur dann zur Prüfung, wenn der Veredler seine bedruckten Artikel selbst hat zertifizieren lassen. Hat dein Kindershirt ein großflächiges Motiv, zählt die Druckfarbe genauso wie der Stoff darunter.
Hier hilft der modulare Aufbau. Setzt ein Veredler geprüfte Blankware ein und bringt darauf Druckfarben oder Transferfolien auf, die ihrerseits nach Standard 100 geprüft sind, fällt die Zertifizierung seiner bedruckten Artikel leichter. Frag deshalb auch nach den Materialien, die er auf das Shirt bringt, beim Stick etwa nach dem Garn.
Bei Kinderprodukten brauchst du im Idealfall zwei Nummern. Die eine gehört zur Blankware. Die andere gehört zum bedruckten Artikel, falls der Veredler selbst zertifiziert ist, und gibt es nur die erste, gilt das Label für das Shirt ohne dein Motiv.
Faserherkunft und Arbeitsbedingungen gehören nicht zum Prüfumfang. Ein Shirt aus konventioneller Baumwolle kann das Label ebenso tragen wie eines aus Bio-Baumwolle. Für Werbung mit Bio-Material oder fairer Produktion brauchst du GOTS oder die Ware einer Marke aus der Fair Wear Foundation.
Für Hartware passt der Standard nicht. Tassen oder Kugelschreiber fallen unter keinen Textilstandard, und für Materialien mit Lebensmittelkontakt gelten eigene Vorgaben, nach denen du den Hersteller getrennt fragst. Lanyards und Tragetaschen aus Stoff sind dagegen Textilien, bei denen das Label passen kann.
Gegenüber GOTS ist OEKO-TEX Standard 100 die engere und leichter erreichbare Aussage. Eine geschlossene Kette verlangt er nicht. Dafür sagt er weniger. Trägt ein Teil beide Nachweise, ergänzen sie sich gut: GOTS für Herkunft und Verarbeitung, OEKO-TEX für die Messung am fertigen Artikel.
Ähnlich liegt es beim Global Recycled Standard. Recyceltes Polyester kann Rückstände aus seinem ersten Leben mitbringen. Der Rezyklatnachweis beantwortet die Schadstofffrage nicht, und bei Trikots aus Rezyklat fragst du deshalb nach beiden Nachweisen.
Worauf du bei der Anbieterauswahl achten solltest
- Zertifikatsnummer im Label Check. Prüfe, auf welchen Betrieb und welche Artikel sie ausgestellt ist. Eine Nummer für die Stoffe eines Herstellers deckt nicht jedes Modell ab.
- Passende Produktklasse. Für Babys und Kleinkinder brauchst du die erste Klasse, für Shirts mit Hautkontakt mindestens die zweite.
- Gültigkeit. Achte auf das Ablaufdatum, besonders bei Ware, die länger im Katalog steht.
- Veredelte Artikel. Lass dir sagen, ob die bedruckten oder bestickten Teile selbst geprüft sind oder nur die Blankware.
- Geprüfte Druckmaterialien. Lass dir zeigen, welche Farben und Folien des Veredlers einen eigenen Nachweis haben.
- Formulierung in deiner Werbung. Verwende das Label nur für Artikel, die unter die Nummer fallen, und gib die Nummer mit an.
