Die Fair Wear Foundation taucht in Merch-Angeboten meist über die Blankware auf. Eine Marke ist Mitglied, ein Druckbetrieb verarbeitet ihre Shirts für dein Merch, und am Ende steht die Frage, was davon du deinen Kunden sagen darfst. Das ist klar geregelt. Wie sich dieser Nachweis von den übrigen unterscheidet, zeigt die Seite Zertifizierungen.
Was Fair Wear für dein Merch bedeutet
Fair Wear ist eine Mitgliedsorganisation für Bekleidungsmarken. Ein Produktsiegel ist es nicht. Wer Mitglied wird, unterzeichnet den Code of Labour Practices, der auf den Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation und auf der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beruht.
Der Code umfasst acht Arbeitsstandards. Beschäftigung muss frei gewählt sein. Diskriminierung ist verboten, ebenso ausbeuterische Kinderarbeit. Beschäftigte dürfen sich in Gewerkschaften zusammenschließen und kollektiv verhandeln. Der Lohn muss zum Leben reichen, und die Arbeitszeit darf nicht ausufern. Sicher und gesund sollen die Arbeitsbedingungen sein. Der achte Standard verlangt ein rechtsverbindliches Arbeitsverhältnis, damit Pflichten gegenüber Beschäftigten nicht über Scheinverträge umgangen werden.
Bewertet wird die Marke. Einmal im Jahr prüft Fair Wear im Brand Performance Check, welche Fortschritte ein Mitglied macht und wie seine Managementsysteme die Umsetzung des Codes in den Zulieferbetrieben stützen. Danach steht es in einer von vier Kategorien. Sie heißen Leader und Good, Needs Improvement und Suspended.
Jedes Mitglied hat eine Markenseite auf der Website von Fair Wear. Dort stehen die Zusammenfassung des letzten Brand Performance Check und ein Link zum vollständigen Bericht sowie zum Sozialbericht der Marke. Für dich ist das die wichtigste Quelle, weil du dort selbst nachlesen kannst, wo eine Marke steht, statt dich auf eine Aussage im Katalog zu verlassen.
Daraus folgt, was die Mitgliedschaft nicht ist. Sie zertifiziert kein einzelnes Shirt und keine Fabrik. Der Kommunikationsleitfaden von Fair Wear verlangt ausdrücklich, dass keine Aussage den Eindruck erweckt, ein Produkt sei zertifiziert oder vollständig fair. Korrekt ist der Satz, dass eine bestimmte Marke Mitglied ist.
Die Mitgliedschaft ist nicht auf Dauer gesichert. Landet eine Marke ein zweites Mal in Needs Improvement, fällt sie in Suspended und verliert alle Kommunikationsrechte. Schafft sie danach innerhalb eines Jahres den Aufstieg nicht, endet die Mitgliedschaft, und die Marke erscheint auf einer eigenen Seite für ehemalige Mitglieder.
Wer was sagen darf
| Wer | Auf dem Produkt, am Hangtag oder auf der Verpackung | Im Shop oder auf der Website |
|---|---|---|
| Mitglied in Good oder Leader | ja, mit den angepassten Mitgliedslogos | ja |
| Mitglied im ersten Jahr | nein | allgemeiner Hinweis auf die Mitgliedschaft, nicht neben einzelnen Produkten |
| Mitglied in Needs Improvement | bis zum nächsten Check darf vorhandenes Material weiter genutzt werden | ja |
| Mitglied in Suspended | nein | nein |
| Wiederverkäufer, Druckerei oder Kunde | nur mit ausdrücklicher Nennung der Mitgliedsmarke | nur mit Nennung der Marke, das Logo nur in allgemeinen Informationen zu Siegeln |
Für Leader gibt es zusätzlich ein Banner, das die Kategorie sichtbar macht. Das offizielle Logo der Organisation ist auf dem Produkt nicht vorgesehen, dafür stellt Fair Wear seinen Mitgliedern zwei angepasste Logos mit dem Markennamen bereit. Ein QR-Code führt zur Markenseite.
Wann Fair Wear zu deinem Vorhaben passt
Wichtig wird der Nachweis, wenn Arbeitsbedingungen in deiner Beschaffung eine Rolle spielen. Gibt es in deinem Unternehmen Lieferkettenrichtlinien, wählst du deshalb gezielt Blankware von Mitgliedsmarken, und Vereine mit sozialem Anspruch oder Bands mit aufmerksamem Publikum tun es ebenso. Die Entscheidung triffst du beim Modell.
Beim Merch bist du in aller Regel Wiederverkäufer. Eine Druckerei kauft das Shirt einer Mitgliedsmarke über den Blankware-Großhandel, bedruckt es mit deinem Motiv und liefert es an dich. Mitglied wird dadurch niemand.
Dafür gilt eine Regel. Kommunizieren darfst du die Mitgliedschaft, allerdings nur mit Namen. Ein Satz wie der, dass die Shirts von einer bestimmten Marke stammen, die Mitglied bei Fair Wear ist, entspricht dem Leitfaden. Ein Hangtag mit Hinweis auf Fair Wear ohne Nennung der Marke ist Dritten unter keinen Umständen erlaubt. Material dafür bekommst du nicht von Fair Wear selbst, denn die Organisation gibt Kommunikationsmaterial nur an Mitglieder aus, und die Marke ist dafür verantwortlich, dass ihre Wiederverkäufer die Regeln einhalten.
Prüfe vorher die Kategorie der Marke. Steht sie in Good oder Leader, ist ihre eigene Kommunikation auf dem Produkt zulässig, und dein Hinweis mit Markennamen fügt sich daran an. Bei einer Marke im ersten Mitgliedsjahr oder in Suspended wäre ein Hinweis am Teil dagegen irreführend. Bei Needs Improvement hilft dir der verlinkte Bericht, das Risiko einzuschätzen.
Stehen zwei Blankware-Marken zur Wahl, geben dir die veröffentlichten Berichte eine zusätzliche Entscheidungshilfe. Lies sie vor der Bestellung. Ein Bericht über die Fortschritte einer Marke enthält mehr Information, als ein einzelnes Siegel auf dem Etikett je liefern kann.
Anders liegt der Fall, wenn der Merch-Anbieter selbst Mitglied ist, weil er eigene Kollektionen fertigen lässt. Dann erstreckt sich die Mitgliedschaft auf die Ware, die er unter seinen Marken produziert. Frag in diesem Fall nach seiner Markenseite und nach der aktuellen Kategorie. Seit wann er Mitglied ist, spielt ebenfalls eine Rolle, weil im ersten Jahr der Mitgliedschaft keine Kommunikation auf dem Produkt und keine Hinweise neben einzelnen Produkten im Shop erlaubt sind.
Fair Wear sagt nichts über das Material. Ein Shirt einer Mitgliedsmarke kann aus konventioneller Baumwolle bestehen. Für Bio-Faser brauchst du GOTS, für geprüfte Schadstoffwerte OEKO-TEX Standard 100, und viele Marken führen die Mitgliedschaft zusammen mit einem dieser Nachweise für einzelne Modelle. Frag die Marke nach Zertifikaten für das konkrete Modell.
GOTS enthält ebenfalls soziale Kriterien und prüft sie in den zertifizierten Betrieben vor Ort. Der Blickwinkel unterscheidet sich. GOTS fragt, ob ein Betrieb die Anforderungen erfüllt, während Fair Wear darauf schaut, wie eine Marke mit ihren Zulieferern umgeht und ob ihr Einkauf die Arbeitsbedingungen dort verbessert.
Worauf du bei der Anbieterauswahl achten solltest
- Marke und Modell im Angebot. Ohne den Namen der Blankware-Marke kannst du die Mitgliedschaft weder prüfen noch korrekt kommunizieren.
- Markenseite bei Fair Wear. Prüfe, ob die Marke gelistet ist, in welcher Kategorie sie steht und was der letzte Bericht sagt.
- Wer Mitglied ist. Klär, ob der Anbieter selbst Mitglied ist oder die Ware einer Mitgliedsmarke verarbeitet.
- Hangtag nur mit Markennamen. Plane Hinweise auf dem Produkt so, dass die Mitgliedsmarke ausdrücklich genannt wird.
- Kein Wort wie zertifiziert. Stimme Texte für Produktseite und Kampagne vorher ab, damit sie keine Produktzertifizierung behaupten.
- Material getrennt klären. Frag für Bio-Baumwolle oder Schadstoffprüfung nach dem jeweiligen Nachweis für das konkrete Modell.
