Der Global Recycled Standard, kurz GRS, belegt recyceltes Material in einem Produkt und verfolgt es durch die Lieferkette. Herausgeber ist die Organisation Textile Exchange. Für dein Merch aus recyceltem Polyester ist er der gängige Nachweis, und welche Siegel daneben stehen, zeigt Zertifizierungen.
Was der Global Recycled Standard für dein Merch bedeutet
Der Standard arbeitet mit zwei Schwellen. Er gilt für Produkte ab zwanzig Prozent recyceltem Material, und das reicht für den zertifizierten Handel zwischen Unternehmen. Ein Kennzeichen, das Endkunden auf dem Produkt sehen, erlaubt er erst ab fünfzig Prozent. Die Einzelheiten dazu regelt ein eigener Leitfaden zur Nutzung von Logo und Aussagen.
Was als recycelt zählt, legt der Standard über die Definition des Rezyklatanteils in ISO 14021 fest. Material, das innerhalb desselben Prozesses wieder eingesetzt wird, in dem es angefallen ist, gilt danach nicht als Rezyklat. Ein Betrieb kann seine eigenen Schnittreste also nicht einfach zurück in die Maschine geben und das Ergebnis recycelt nennen. Gezählt wird nach Masse. Als Rezyklat gelten nur Materialien, die während einer Herstellung aus dem Abfallstrom abgezweigt wurden, und solche, die nach der Nutzung ihren Zweck nicht mehr erfüllen können, einschließlich der Rückläufer aus dem Vertrieb.
Jede Produktionsstufe muss zertifiziert sein. Die Kette beginnt beim Recycling und endet beim letzten Verkäufer im Geschäft zwischen Unternehmen. Dazwischen liegen Spinnerei und Strickerei sowie Färberei und Konfektion, bei Merch in der Regel auch die Veredelung. Sammelstellen vor dem Recycling erfasst der Standard über eine Selbstauskunft sowie über Dokumente und Besuche vor Ort. Fällt eine Stufe heraus, lässt sich der Anteil danach nicht mehr belegen.
Zum Material kommen weitere Anforderungen. Die sozialen Kriterien reichen vom Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit bis zu Löhnen und Arbeitszeiten. Ökologisch verlangt der Standard ein Umweltmanagement und Regeln für Energie- und Wasserverbrauch, dazu für Abwasser und Luftemissionen sowie für Abfall. Die chemischen Anforderungen schließen problematische Stoffe aus und verweisen auf die Liste eingeschränkter Substanzen der Branchenorganisation ZDHC. Diese Zusatzanforderungen unterscheiden den GRS vom Recycled Claim Standard derselben Organisation, der allein den Rezyklatanteil durch die Kette verfolgt.
Nachgewiesen wird auf zwei Ebenen. Für den Betrieb gibt es ein Scope-Zertifikat, das seine zertifizierten Tätigkeiten festhält. Für die Ware gibt es je Lieferung ein Transaktionszertifikat, das den zertifizierten Anteil von einer Stufe an die nächste weitergibt. Ohne dieses zweite Papier bricht die Kette.
Zwei Dinge regelt der Standard ausdrücklich nicht. Er sagt nichts über die Qualität eines Produkts. Und er ersetzt keine gesetzlichen Vorgaben, weshalb Textile Exchange zertifizierten Betrieben rät, die zulässigen Aussagen zum Rezyklat im jeweiligen Verkaufsland zu prüfen. Für einen Satz wie aus recyceltem Material in deinem Onlineshop gelten also neben dem Standard die Regeln des Verkaufslandes zu Umweltaussagen.
Was der Rezyklatanteil erlaubt
| Anteil recyceltes Material | Was möglich ist | Was das für dein Merch heißt |
|---|---|---|
| unter zwanzig Prozent | keine GRS-Zertifizierung | Aussagen zum Rezyklat brauchen einen anderen Beleg |
| ab zwanzig Prozent | zertifizierter Handel zwischen Unternehmen | die Lieferkette ist belegt, ein Siegel auf dem Teil nicht erlaubt |
| ab fünfzig Prozent | produktbezogene Kennzeichnung nach dem Logo-Leitfaden | du kannst mit dem Siegel werben, wenn jede Stufe zertifiziert ist |
Wann der Global Recycled Standard zu deinem Vorhaben passt
Der typische Fall ist Polyester. Trikots und Rucksäcke werden oft aus recyceltem Material angeboten, Gürteltaschen ebenso. Recyceltes Polyester wird häufig aus gebrauchten Getränkeflaschen gewonnen, daneben aus Produktionsresten oder Alttextilien. Auch Mützen aus Rezyklatgarn oder Tragetaschen aus recycelter Baumwolle kannst du über den Standard belegen.
Verfolgt dein Unternehmen Nachhaltigkeitsziele, zählt der Anteil. Eine Tasche mit einem Fünftel Rezyklat kann GRS-zertifiziert gehandelt werden und bekommt trotzdem kein Kennzeichen auf dem Produkt. Lass dir deshalb die genaue Zusammensetzung nennen, bevor du eine Aussage auf Verpackung oder Produktseite planst, und prüfe, ob sie sich auf das ganze Teil bezieht oder nur auf einen Bestandteil wie das Futter.
Die Veredelung braucht eigene Aufmerksamkeit. Weil der Standard jede Stufe bis zum letzten Verkäufer im Geschäft zwischen Unternehmen erfasst, reicht zertifizierte Blankware nicht, wenn eine Druckerei ohne Zertifikat sie bearbeitet und an dich weiterverkauft. Auf Polyester wird meist per Sublimation gedruckt, bei Mischgewebe per Transfer oder Stick.
Bei Trikots für deinen Verein kommt eine praktische Frage dazu. Namen und Nummern werden oft nachträglich aufgebracht, manchmal von einem zweiten Betrieb. Auch diese Stufe gehört zur Kette, wenn du das fertige Trikot mit dem Standard bewerben willst. Kläre das vor dem Auftrag.
Recycelt heißt nicht biologisch. Recyceltes Polyester erfasst GOTS gar nicht, und Bio-Baumwolle enthält kein Rezyklat. Brauchst du beide Aussagen, brauchst du zwei Nachweise. Das kommt bei Mischgewebe vor, etwa bei einem Shirt aus Bio-Baumwolle mit einem Anteil recyceltem Polyester, und dann braucht jeder Faseranteil seinen eigenen Beleg.
Die chemischen Anforderungen betreffen die Verarbeitung in den Betrieben. Eine Prüfung des fertigen Teils auf Schadstoffe ersetzen sie nicht, denn dafür steht OEKO-TEX Standard 100, nach dem du bei Trikots mit engem Hautkontakt zusätzlich fragst.
Mit GOTS teilt der GRS die Logik der geschlossenen Kette. Beide unterscheiden sich im Material, weshalb sie bei einem reinen Polyesterteil praktisch nicht zusammen vorkommen. Besteht deine Kollektion aus Bio-Baumwollshirts und Polyestertrikots, brauchst du für die Shirts ein GOTS-Zertifikat und für die Trikots ein GRS-Zertifikat, jeweils mit eigenem Transaktionszertifikat für die Lieferung.
Gegenüber der Fair Wear Foundation liegt eine Aussage über Ware und Betriebe vor, keine über eine Marke. Eine Mitgliedsmarke von Fair Wear kann einzelne Modelle aus GRS-zertifiziertem Material anbieten, und du kannst beide Aussagen dann nebeneinander verwenden. Sie ergänzen einander gut.
Worauf du bei der Anbieterauswahl achten solltest
- Rezyklatanteil in Prozent. Lass dir die Zusammensetzung des konkreten Modells nennen. Erst ab der Hälfte ist ein Kennzeichen für Endkunden möglich.
- Scope-Zertifikat des Anbieters. Prüfe die Gültigkeit und die aufgeführten Tätigkeiten. Ein Zertifikat für den Handel deckt keine Veredelung ab.
- Transaktionszertifikat für deine Lieferung. Verlange die Zusage vor der Produktion.
- Druckbetrieb in der Kette. Klär, ob die Veredelung zertifiziert ist, wenn du das fertige Teil mit dem Standard bewerben willst.
- Quelle des Rezyklats. Frag, ob das Material aus Flaschen oder aus Textilresten stammt, weil das deine Kommunikation verändert.
- Qualität getrennt prüfen. Der Standard sagt nichts über Haltbarkeit oder Passform, also bestell ein Muster.
- Beleg für Rückfragen. Kläre, welches Dokument du deinen Kunden bei Rückfragen vorlegen kannst, bevor die Kampagne startet.
- Schadstoffnachweis zusätzlich. Bei Teilen mit engem Hautkontakt frag getrennt nach einer Prüfung des fertigen Artikels.
