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Aus der Beratung · 10 Min. Lesezeit

Zuerst veröffentlicht Zuletzt aktualisiert von Thomas Müller

Merch-Sortiment: Fans zufriedenstellen oder Marge maximieren?

Fans zufriedenstellen und Marge maximieren lässt sich in einem Merch-Sortiment nach der Erfahrung der Artist-Managerin Deborah Salamon selten vereinbaren. Davon erzählt sie im Gespräch für meinen Podcast „Business With A Smile“. Ich rate deshalb, vor der ersten Bestellung festzulegen, welches Ziel Vorrang hat. Darüber entscheiden die Rolle von Merch in deinem Einkommen, dein Budget und ob du auf Konzerten oder online verkaufst.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Fans zufriedenstellen und Marge maximieren lässt sich in einem Merch-Sortiment nach der Erfahrung von Deborah Salamon selten vereinbaren, deshalb gehört die Entscheidung über den Vorrang vor die erste Bestellung.
  • Welches Ziel Vorrang hat, hängt von der Rolle von Merch in deinem Einkommen, von deinem Budget und vom Verkaufsort ab.
  • Ein Sortiment, das auf Marge zielt, setzt auf wenige sichere Artikel, und Schwarz ist dafür nach meiner Erfahrung die verlässlichste Basis.
  • Ein Sortiment, das deine Fans zufriedenstellen soll, braucht mehr Größen, Farben und Motive und trägt damit nach meiner Erfahrung ein höheres Risiko auf Restbestand.
  • On-Demand und Vorproduktion lassen sich an denselben Kriterien messen: Menge, Vorfinanzierung, Restrisiko und Verkaufsort.
  • Nach dem Drop braucht dein Sortiment Restock und Anschlusskommunikation, sonst bleibt es nach meiner Erfahrung bei wenigen Tagen Aufmerksamkeit.
Inhalt

Lassen sich Fans und Marge in einem Merch-Sortiment vereinbaren?

Fans zufriedenstellen und Marge maximieren lässt sich in einem Merch-Sortiment selten vereinbaren. Das ist die Erfahrung von Deborah Salamon. Sie erlebt in ihrer Arbeit als Artist-Managerin, dass viele Künstlerinnen und Künstler zuerst ihre Fans zufriedenstellen wollen und sich später doch kommerziellen Erfolg wünschen. Wer seine Fans glücklich machen will, bietet viele Größen, Farben und Motive an. Wer ausverkaufen und am Ende einen guten Business Case haben will, plant enger.

Einen Mittelweg sehe ich in einem gemischten Sortiment. Einige Artikel mit guter Stückmarge bringen das Geld und finanzieren die Artikel mit, die vor allem deinen Fans gefallen sollen und wenig abwerfen. Deborah Salamon nennt das den besten Fall. Leicht umzusetzen ist er nach ihrer Erfahrung trotzdem nicht, weil Künstlerinnen und Künstler mit großer Reichweite oft hohe Ansprüche an die Ware haben und günstige Rohware dann ausscheidet.

Beides gelingt nach ihrer Erfahrung, wenn die Erwartung der Künstlerin zugleich wirtschaftlich vernünftig ist. Ein Beispiel ist der erste Merch-Drop von Anna Reusch, den Deborah Salamon vorbereitet hat. Anna wollte Merch, der für möglichst alle tauglich ist, und kein großes Risiko. Deshalb gab es schwarze Shirts und Hoodies in kleiner Stückmenge, und nach 36 Stunden war der Drop ausverkauft. Bei einem Auftritt in Köln trugen die meisten Gäste direkt vor Deborah den Merch. Für sie ist das der Zweck der Sache.

Woran erkennst du, welches Ziel für dein Merch Vorrang hat?

Welches Ziel Vorrang hat, erkennst du an der Rolle, die Merch in deinem Einkommen spielt, an deinem Budget und am Ort, an dem du verkaufst. Deborah Salamon klärt das bei jedem Merch-Projekt zuerst und beginnt mit der Frage, ob jemand mit dem Merch Geld verdienen oder mit ihm vor allem seine Fans zufriedenstellen will.

Gutes Management beginnt immer mit den richtigen Fragen, [die] man jemandem stellt.
Deborah Salamon, Studio Beehive, Stand 10.10.2026 manuell geprüft

Für aufstrebende Musikerinnen und Musiker sind Ticketverkauf und Merch nach Deborah Salamons Worten oft die Haupteinnahmequelle. Wer davon lebt, kann sich keinen Rohling für 35 Euro leisten und braucht ein Sortiment, das auf Marge zielt. Andere Künstlerinnen und Künstler wollen mit ihrem Merch vor allem ihre Fans zufriedenstellen und können breiter planen.

Ist dein Budget knapp, rät sie zu günstiger, guter Standardware über On-Demand, um erst einmal herauszufinden, ob deine Leute kaufen. Das lohnt sich vor allem, wenn du Reichweite hast. Verkaufst du vor allem auf Konzerten, muss die Ware dort vorrätig sein, und du kommst um eine Vorproduktion kaum herum.

Dazu kommt für Deborah Salamon die Frage, ob Merch überhaupt zu dir passt. Nicht jeder mit Reichweite und nicht jede Künstlerin und nicht jeder Künstler ist nach ihrer Erfahrung dafür gemacht. Sie würde sich deshalb immer herantasten, denn der Merch muss authentisch sein, und die Person muss Lust darauf haben.

Wie sieht ein Merch-Sortiment aus, das auf Marge zielt?

Ein Merch-Sortiment, das auf Marge zielt, ist schmal und besteht aus Artikeln, die sicher verkaufen, an erster Stelle schwarzen Shirts und Hoodies. In der Beratung nenne ich auf die Frage, was immer geht, zuerst schwarze Shirts, dann weiße, dann Grau oder Blau. Danach kommt die Wahl zwischen Shirt und Hoodie. Das ist meine Erfahrung, eine Erhebung dazu liegt mir nicht vor.

Deborah Salamon nennt Schwarz die sichere Bank, nach ihrer Einschätzung geht es grundsätzlich immer. Künstlerinnen und Künstler, die selbst nicht gern Schwarz tragen und deshalb andere Artikel anbieten, verkaufen damit nach ihrer Beobachtung mal gut und mal weniger gut.

Was kostet ein Sortiment, das deine Fans zufriedenstellen soll?

Ein Sortiment, das deine Fans zufriedenstellen soll, kostet dich nach meiner Erfahrung vor allem ein höheres Risiko auf Restbestand, weil du mehr Größen, Farben und Motive einplanst. Steigen die Ansprüche an die Ware, steigt auch der Einkaufspreis. Deborah Salamon berichtet von Hoodie-Rohware, die bei kleiner Stückzahl sehr teuer war, weil die Künstlerin Formstabilität, Wärme und Schnitt exakt so haben wollte.

ZielSortimentsbreiteBezugswegRisiko
Fans zufriedenstellenBreit, mit vielen Größen, Farben und MotivenRohware nach den Ansprüchen der Künstlerin oder des KünstlersHoch, weil mehr Varianten übrig bleiben können
Marge zuerstSchmal, mit wenigen Artikeln in sicheren Farben wie SchwarzGünstige Standardware, vorproduziert für Konzerte oder On-Demand für den OnlineshopGering, weil nur Artikel im Sortiment sind, die sicher verkaufen
MittelwegGemischt, mit einigen Artikeln mit guter Stückmarge und einzelnen Fan-ArtikelnStandardware für die margenstarken Artikel, ausgewählte Rohware für die Fan-ArtikelMittel, weil die margenstarken Artikel die übrigen mittragen müssen
Erst testen, ob deine Fans kaufenSchmal, mit wenigen StandardartikelnOn-Demand mit StandardwareGering, weil nur bestellte Ware produziert wird

Wie viele Motive braucht dein Merch-Sortiment?

Für ein Merch-Sortiment, das auf Marge zielt, reichen wenige Motive, die möglichst vielen gefallen. Ein Sortiment, das deine Fans zufriedenstellen soll, bietet mehr Motive an und trägt damit das Risiko aus dem vorigen Abschnitt.

Beim Drop von Anna Reusch sollten die Motive so gefällig wie möglich sein. Ihr Name steht darauf, aber so, dass ihn findet, wer genau hinschaut. Für solche Motive rät Deborah Salamon, sich Zeit zu nehmen und mit Mode- oder Grafikdesignerinnen und -designern zu arbeiten, die mitdenken.

On-Demand oder vorproduzieren: Was passt zu welchem Ziel?

On-Demand passt, wenn du ohne Vorfinanzierung testen willst, ob deine Fans kaufen, und online verkaufst. Vorproduktion passt, wenn du auf Konzerten verkaufst und Geld und Kapazität für eine Auflage und den Versand hast. Mit Rechenbeispiel vergleicht beide Wege der Ratgeber Print-on-Demand oder Lagerware.

KriteriumOn-DemandVorproduktion
MengeProduziert wird erst, wenn eine Bestellung eingehtDu legst die Auflage vor dem Verkauf fest
VorfinanzierungGering, deshalb der Rat bei knappem BudgetDu bezahlst die Ware vorab und brauchst Kapazität für den Versand
RestrisikoKeine Ware, die ohne Abnehmer übrig bleibtWare ohne Abnehmer bleibt bei dir
Verkauf auf KonzertenKaum möglich, weil die Ware vor Ort sein mussMöglich, weil die Ware am Merchstand vorrätig ist

Den Vorteil von On-Demand beschreibt Deborah Salamon so:

Das Tolle bei On-Demand ist […], es ist super nachhaltig, weil nicht irgendwo Ware produziert wird, die nachher keinen Abnehmer findet.
Deborah Salamon, Studio Beehive, Stand 10.10.2026 manuell geprüft

Vorproduktion macht nach ihrer Einschätzung mehr Spaß, weil du dich bei Rohlingen und Gestaltung austoben kannst. Offen bleibt für sie, ob du dir das leisten kannst.

Deborah Salamon sagt, dass ein Druck auch bei teurer Ware abgeben kann, und hält bei On-Demand mit einer guten Vorauswahl gute Ware für erreichbar. Sie rät, bedruckte Teile nicht in den Trockner zu werfen und auf links zu waschen. Ich rate dir außerdem, bei beiden Wegen nach dem Druckverfahren zu fragen. Einen Überblick gibt die Seite Druckverfahren. Anbieter, die erst auf Bestellung drucken, findest du unter Print-on-Demand.

Was passiert nach dem Merch-Drop?

Nach dem Merch-Drop fängt der Verkauf erst an. Bei meinem früheren Arbeitgeber habe ich erlebt, dass Artists viel Zeit in ihren Merch stecken und danach zu kurz und zu selten darüber sprechen, ihn selbst nicht tragen und den Shop nicht mit ihren Social-Media-Kanälen verknüpfen. Dann gibt es eine Story, ein paar Tage Aufmerksamkeit, und nach einem Quartal wird kein Merch nachbestellt.

Zum Restock gehört, dass Fans erfahren, wann ein Motiv zurück ist. Im Shop von Anna Reusch können sie bei einem ausverkauften Motiv einen Benachrichtigen-Button nutzen und bekommen eine E-Mail, sobald ihr Stück wieder verfügbar ist. Deborah Salamon versteht nicht, warum so viele ausverkaufte Artikel nie wieder aufgelegt werden. Ich halte den strikt limitierten Drop für gelerntes Verhalten, bei dem schnell die nächste Kollektion folgt und wenig dafür getan wird, Fans zu halten.

Viele zögern außerdem, ihren Merch überhaupt zu bewerben. Deborah Salamon kennt die Angst, nicht zu gefallen, anderen auf die Nerven zu gehen oder negative Kommentare zu bekommen. Nach ihrer Erfahrung passiert dabei nichts von dem, was befürchtet wird.

Wenn du ein gutes Produkt hast, hinter dem du stehst, […] dann preis das an.
Deborah Salamon, Studio Beehive, Stand 10.10.2026 manuell geprüft

Das Sortiment steht und soll jetzt verkauft werden? Zwei Fragen zeigen, welcher Weg dazu passt.

In welcher Reihenfolge entscheidest du über dein Merch-Sortiment?

Über dein Merch-Sortiment entscheidest du in sieben Schritten, und der erste ist das Ziel. Erst wenn es feststeht, ergeben Farben, Motive und Bezugsweg einen Maßstab.

  1. Leg fest, ob dein Sortiment zuerst deine Fans zufriedenstellen oder Marge bringen soll.
  2. Prüfe, welche Rolle Merch in deinem Einkommen spielt und wie viel Geld du vorab einsetzen kannst.
  3. Kläre, ob du auf Konzerten, online oder an beiden Orten verkaufst.
  4. Bestimme die Sortimentsbreite. Hat Marge Vorrang, planst du wenige Artikel und Motive mit Schwarz als Basis, sonst mehr Größen, Farben und Motive.
  5. Wähle den Bezugsweg: On-Demand zum Testen und für den Onlineshop, Vorproduktion für Konzerte und wenn du die Auflage finanzieren kannst.
  6. Plane Restock, Benachrichtigung und Kommunikation nach dem Drop, bevor du bestellst.
  7. Vergleiche erst danach Anbieter. Willst du testen, starte bei den Anbietern mit Print-on-Demand. Willst du vorproduzieren, filterst du die Anbieterliste nach der höchsten Mindestbestellmenge, die zu deiner Auflage passt.

Häufige Fragen

Soll mein erstes Merch-Sortiment eher auf Fans oder auf Marge zielen?

Ist Merch eine deiner Haupteinnahmen, hat Marge Vorrang. Ist er vor allem ein Angebot an deine Fans, darf das Sortiment breiter werden. Deborah Salamon klärt diese Frage bei jedem Merch-Projekt zuerst, weil von ihr Anbieter, Ware und Bezugsweg abhängen.

Artists

Welche Farbe ist für Merch-Shirts am risikoärmsten?

Schwarz ist nach meiner Erfahrung die risikoärmste Farbe, danach folgen Weiß und dann Grau oder Blau. Deborah Salamon nennt Schwarz die sichere Bank. Wer andere Artikel anbietet, weil er selbst nicht gern Schwarz trägt, verkauft damit nach ihrer Beobachtung mal gut und mal weniger gut.

Bands

Ist Print-on-Demand-Merch schlechter als vorproduzierter Merch?

Nicht grundsätzlich. Deborah Salamon sagt, dass ein Druck auch bei teurer Ware abgeben kann, und hält bei On-Demand mit einer guten Vorauswahl gute Ware für erreichbar. Frag bei beiden Wegen nach dem Druckverfahren, bevor du bestellst.

Print-on-DemandDruckverfahren

Kann ich Merch auf Konzerten über On-Demand verkaufen?

Kaum, denn am Merchstand muss die Ware vorrätig sein. Für Konzerte brauchst du deshalb vorproduzierte Ware. On-Demand empfiehlt Deborah Salamon vor allem Künstlerinnen und Künstlern mit Reichweite, die erst einmal testen wollen, ob ihre Leute kaufen.

Print-on-Demand oder Lagerware

Wie funktioniert ein Benachrichtigen-Button bei ausverkauftem Merch?

Im Shop von Anna Reusch tragen sich Fans bei einem ausverkauften Motiv ein und bekommen eine E-Mail, sobald ihr Stück wieder verfügbar ist. Deborah Salamon bekommt bei jeder Anmeldung eine Nachricht.

Warum zögern viele Artists, ihren eigenen Merch zu bewerben?

Viele haben laut Deborah Salamon Angst, nicht zu gefallen, anderen auf die Nerven zu gehen oder negative Kommentare zu bekommen. Nach ihrer Erfahrung passiert dabei nichts davon. Mir hilft in solchen Gesprächen die Rechnung, wie viele Streams du bräuchtest, um die Marge eines Shirts oder Hoodies zu verdienen.

Merch verkaufen: Welcher Weg passt?

Lohnt sich eigener Merch für jeden Artist?

Nein. Deborah Salamon sagt, dass nicht jeder mit Reichweite und nicht jede Künstlerin und nicht jeder Künstler für Merch gemacht ist, und würde sich deshalb immer herantasten. Der Merch muss authentisch sein, und die Person muss Lust darauf haben.

Artists

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Thomas Müller, Potzblitz Brandworks

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Quellen