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Geschäftsmodelle · 9 Min. Lesezeit

Zuerst veröffentlicht Zuletzt aktualisiert von Thomas Müller

Print-on-Demand oder Lagerware: Wann sich welches Modell für Merchandise 2026 rechnet

Ob Print-on-Demand oder Lagerware günstiger ist, hängt davon ab, wie viel du von einer Auflage tatsächlich verkaufst. Bei Print-on-Demand zahlst du nur für verkaufte Stücke, aber mehr je Stück. Bei Lagerware zahlst du die ganze Auflage im Voraus, aber weniger je Stück. Wo beide Kurven sich kreuzen, zeigt das Rechenbeispiel weiter unten.

Dieser Artikel erklärt die Modelle, nennt die Kriterien, die über die Wahl entscheiden, und ordnet sie nach Zielgruppe: Agenturen, Label-Mitarbeiter, Künstler, Creator und Beschaffer in Unternehmen. Die Zahlen im Rechenbeispiel sind Annahmen und als solche gekennzeichnet. Eine verlässliche Marktzahl für Print-on-Demand im deutschsprachigen Raum liegt uns nicht vor (Abschnitt „Warum hier keine Marktzahl steht“).

Wichtigste Erkenntnisse

  • Print-on-Demand bedeutet: Das Produkt wird erst nach der Bestellung hergestellt. Lagerware bedeutet: Eine Auflage wird vorab produziert und gelagert.
  • Welches Modell günstiger ist, hängt vom Abverkauf ab, also davon, wie viel der Auflage du verkaufst. Im Rechenbeispiel liegt die Schwelle bei rund 68 Prozent.
  • Print-on-Demand eignet sich für Tests, Nischenmotive und unsichere Nachfrage. Lagerware eignet sich für Bestseller, feste Termine und Veredelungen, die sich nur in Serie rechnen.
  • Ein Hybridmodell kombiniert beides: Bestseller auf Lager, der Rest auf Bestellung.
  • Beide Modelle haben Kosten, die im Stückpreis fehlen: Versand, Lagerung, Retouren und Zeit.
  • Frage Anbieter immer nach Produktionszeit, Mindestmenge, Veredelungsverfahren und Zertifikaten, und lass dir Angaben mit Datum nennen.
Inhalt
ModellBesonders geeignet fürStärkeMögliche Schwäche
Print-on-DemandTests, Nischenmotive, unsichere Nachfrage, WebshopKein Lager, keine Vorabinvestition, kein RestbestandHöherer Stückpreis, weniger Veredelungsoptionen
Lagerware (Serienproduktion)Bestseller, Tour, Events, feste Mengen und TermineNiedrigerer Stückpreis, mehr Veredelungsverfahren, mehr Kontrolle über Material und VerpackungKapital gebunden, Risiko unverkaufter Ware, Lager- und Versandaufwand
HybridMarken mit einzelnen Bestsellern und vielen RandmotivenRisiko begrenzt, Stückpreis bei Bestsellern niedrigZwei Anbieter oder Prozesse, mehr Abstimmung
Lagerware mit Fulfillment-DienstleisterWebshops mit stabilem VolumenLagerung, Verpackung und Versand ausgelagertGebühren für Lagerung und Versand, Mindestvolumen

Was ist Print-on-Demand, was ist Lagerware?

Print-on-Demand heißt, dass ein Produkt erst nach der Bestellung bedruckt oder bestickt und dann direkt an den Kunden versendet wird. Du brauchst kein Lager und kaufst keine Mindestmenge. Das Restbestandsrisiko entfällt, dafür steigt der Preis je Stück.

Lagerware heißt, dass du eine Auflage in Serie herstellen lässt, etwa 300 Shirts mit demselben Motiv, und sie lagerst, bis sie verkauft ist. Das Lager kann bei dir stehen oder bei einem Fulfillment-Dienstleister, der Lagerung und Versand übernimmt. Du zahlst die gesamte Auflage im Voraus.

Hybrid heißt, dass du Motive, die sich bewährt haben, als Lagerware produzierst und alle anderen weiter auf Bestellung drucken lässt.

Warum entscheidet nicht der Stückpreis allein?

Der Stückpreis vergleicht eine Ware, die bereits bezahlt ist, mit einer, die erst bezahlt wird, wenn sie verkauft ist. Der entscheidende Wert ist der Abverkauf: der Anteil der Auflage, den du tatsächlich verkaufst.

Rechenbeispiel (Annahmen, keine Marktpreise)

Angenommen:

  • Lagerware: 300 Shirts zu 9,00 Euro je Stück, dazu 150 Euro einmalige Einrichtung (Druckvorlage), zusammen 2.850 Euro im Voraus.
  • Print-on-Demand: 14,00 Euro je Shirt inklusive Druck, nur für verkaufte Stücke.
  • Nicht eingerechnet: Versand, Lagerung, Retouren, Steuern.
Verkaufte Shirts von 300Kosten LagerwareKosten Print-on-DemandGünstiger
1002.850 €1.400 €Print-on-Demand
1502.850 €2.100 €Print-on-Demand
2042.850 €2.856 €gleich auf
2502.850 €3.500 €Lagerware
3002.850 €4.200 €Lagerware

Die Schwelle liegt bei 2.850 € geteilt durch 14 €, also bei rund 204 Shirts oder 68 Prozent der Auflage. Wer weniger verkauft, fährt mit Print-on-Demand günstiger. Wer mehr verkauft, spart mit Lagerware.

Die Formel zum Nachrechnen mit deinen Zahlen: Gesamtkosten der Lagerware (Auflage mal Stückpreis plus Einrichtung) geteilt durch den Stückpreis bei Print-on-Demand ergibt die Anzahl der Stücke, ab der sich Lagerware lohnt.

Annahme: Das Beispiel ist bewusst einfach. In der Praxis kommen Versandkosten, Lagerung, Retouren und der Wert der Zeit hinzu. Lagerware, die nach der Tour übrig bleibt, lässt sich oft später verkaufen, was die Rechnung verbessert. Print-on-Demand-Anbieter können bei Sonderfarben oder Veredelungen Aufschläge verlangen. Rechne deshalb mit Angeboten, nicht mit Schätzungen.

Welche Kriterien entscheiden über das Modell?

KriteriumWarum es wichtig ist
Erwarteter AbverkaufEntscheidet, ab wann Lagerware günstiger wird
KapitalbindungLagerware bindet Geld bis zum Verkauf
Zeit bis zum StartPrint-on-Demand ist schneller live, Lagerware braucht Produktions- und Lieferzeit
VeredelungsverfahrenManche Verfahren lohnen sich typischerweise erst ab einer Mindestmenge, weil die Einrichtung je Motiv oder Farbe anfällt
QualitätskontrolleBei Lagerware kannst du Muster und Material vorab prüfen
TerminBei festen Events brauchst du die Menge zu einem bestimmten Tag
Aufwand im BetriebLagerware braucht Lager und Versand oder einen Dienstleister, Print-on-Demand übernimmt Versand direkt
NachhaltigkeitVermeidet Überproduktion, sagt aber nichts über Material und Produktion

Welches Modell passt zu wem?

Wer du bistTypische AufgabeMeist sinnvollBegründung
AgenturmitarbeiterMerchandise für einen Kunden, fester Termin und feste MengeLagerware, für Webshop-Erweiterungen Print-on-DemandFeste Mengen und Corporate Design sprechen für Serie, offene Nachfrage für Bestellproduktion
Mitarbeiter eines MusiklabelsMerchtisch auf Tour plus WebshopHybridTourware in Serie, Webshop-Randmotive auf Bestellung
KünstlerErstes Merchandise, wenig BudgetPrint-on-Demand, später Lagerware für BestsellerKein Vorabrisiko, Nachfrage erst testen
CreatorCommunity-Merch, Drops mit ReichweitePrint-on-Demand oder HybridSchneller Start, bei klarem Bestseller Serie nachlegen
Beschaffer im UnternehmenMitarbeiterkleidung, Give-aways, EventsLagerware, bei kleinen Bedarfen Print-on-DemandFeste Mengen, einheitliches Erscheinungsbild, Terminbindung

Die Zuordnung ist eine Faustregel. Menge, Termin und Budget können sie im Einzelfall umdrehen.

Wann ist Print-on-Demand sinnvoller?

Print-on-Demand ist sinnvoller, wenn:

  • du noch nicht weißt, welche Motive sich verkaufen,
  • die Nachfrage schwankt oder an einzelnen Tagen stark steigt und wieder abfällt,
  • du kein Kapital in eine Auflage binden willst,
  • du viele Motive oder Varianten anbietest, von denen jedes wenige Verkäufe erzielt,
  • du einen Webshop schnell starten willst.

Wann ist Lagerware sinnvoller?

Lagerware ist sinnvoller, wenn:

  • du einen Bestseller mit stabiler Nachfrage hast,
  • du eine bestimmte Menge zu einem festen Termin brauchst, etwa für eine Tour oder ein Event,
  • du Material, Verpackung oder Veredelung selbst festlegen willst,
  • ein Veredelungsverfahren erst in Serie wirtschaftlich ist,
  • du Produkte vor Ort verkaufst, etwa am Merchtisch.

Wann ist ein Hybridmodell sinnvoll?

Ein Hybridmodell ist sinnvoll, wenn du einzelne Motive hast, die sich über Wochen gut verkaufen, und gleichzeitig viele Randmotive, deren Nachfrage unklar ist. Die Bestseller kommen aus der Serie und senken den Stückpreis, die Randmotive bleiben auf Bestellung und binden kein Kapital. Der Preis dafür ist Koordination: Du arbeitest mit zwei Anbietern oder mit einem Anbieter, der beide Modelle anbietet, und musst Bestände im Blick behalten.

Was ist mit Nachhaltigkeit?

Print-on-Demand vermeidet unverkaufte Ware, weil nur produziert wird, was bestellt ist. Ob ein einzelnes Produkt nachhaltig ist, hängt von Material, Produktion, Lieferweg und Verpackung ab. Nenne in Produkttexten konkrete Angaben, etwa Materialart, Zertifikat mit Prüfstelle, Produktionsland und Verpackung. Allgemeine Begriffe wie „umweltfreundlich“ lassen sich weder prüfen noch einordnen.

Warum steht hier keine Marktzahl?

Für Print-on-Demand im deutschsprachigen Raum liegt uns keine belastbare Marktgröße vor. Die verfügbaren Zahlen stammen überwiegend von Anbietern kostenpflichtiger Marktberichte und widersprechen sich: Eine Quelle nennt 39 Milliarden US-Dollar bis 2030, eine andere 8,09 Milliarden US-Dollar für 2026 und 61,57 Milliarden bis 2035. Beide beziehen sich angeblich auf denselben Markt, teils sind Print-on-Demand-Bücher und Textil vermischt. Zahlen mit solchen Widersprüchen taugen nicht als Beleg. Gesichert ist eine Datenlücke, die wir lieber benennen, als sie mit einer unsicheren Zahl zu füllen.

Für den Werbeartikelmarkt insgesamt gibt es eine belastbare Reihe: 3,33 Milliarden Euro Branchenumsatz in Deutschland im Jahr 2024 (GWW/DIMA, Werbeartikel-Monitor 2025). Sie trennt aber nicht nach Print-on-Demand und Lagerware.

Welche Fragen solltest du Anbietern vor der Entscheidung stellen?

FrageWarum du sie stellst
Wie lange dauern Produktion und Versand in mein Zielland?Lieferzeit entscheidet über Termin und Kundenerwartung
Welche Mindestmenge gilt, und wie ändert sie sich je Veredelungsverfahren?Zeigt, ab wann Serie sinnvoll ist
Welche Einrichtungskosten fallen je Motiv oder Farbe an?Fließen in die Rechnung ein
Welche Textilien sind verfügbar, mit welchem Zertifikat und welcher Prüfstelle?Prüfbare Aussage statt Behauptung
Gibt es Muster, und was kosten sie?Qualität vorab prüfen
Was passiert bei Reklamationen?Aufwand und Kosten nach dem Verkauf
Gilt die Angabe aktuell, mit welchem Datum?Lieferzeiten und Preise ändern sich

Welche Fehler passieren bei der Entscheidung?

  1. Nur den Stückpreis vergleichen. Ohne Abverkauf ist der Vergleich unvollständig.
  2. Eine zu große Auflage bestellen. Eine Erstauflage, die den erwarteten Abverkauf übersteigt, bindet Kapital.
  3. Mit Print-on-Demand zu lange bei einem Bestseller bleiben. Wenn ein Motiv dauerhaft läuft, kann Serie günstiger sein.
  4. Keine Muster bestellen. Mockups zeigen nicht, wie Stoff und Druck wirken.
  5. Termine nicht zurückrechnen. Bei Lagerware kommen Produktions- und Lieferzeit hinzu. Plane vom Event rückwärts.
  6. Angaben ohne Datum übernehmen. Preise und Lieferzeiten ändern sich.

Entscheidungslogik: So findest du das passende Modell

  1. Wie sicher bist du bei der Nachfrage? Unsicher spricht für Print-on-Demand, sicher für Lagerware.
  2. Hast du einen festen Termin mit fester Menge? Dann brauchst du Lagerware.
  3. Wie viel Kapital willst du binden? Wenig spricht für Print-on-Demand oder ein kleines Hybridmodell.
  4. Welche Veredelung brauchst du? Frage nach der Mindestmenge je Verfahren.
  5. Wie viel Aufwand kannst du tragen? Lagerware braucht Lager und Versand oder einen Dienstleister.

Fazit: Print-on-Demand oder Lagerware?

Es gibt kein Modell, das für alle günstiger ist. Print-on-Demand lohnt sich, solange du unsicher bist, wie viel du verkaufst. Lagerware lohnt sich, sobald Nachfrage und Termin feststehen. Im Rechenbeispiel liegt die Schwelle bei rund 68 Prozent Abverkauf einer Auflage von 300 Shirts. Rechne mit deinen eigenen Angebotszahlen nach, denn Preise, Einrichtungskosten und Versand unterscheiden sich je Anbieter. Ein Vergleich zeigt dir Anbieter für Print-on-Demand und Fulfillment mit denselben Angaben nebeneinander.

Häufige Fragen

Was ist Print-on-Demand?

Print-on-Demand bedeutet, dass ein Produkt erst nach der Bestellung bedruckt und versendet wird. Es entsteht kein Restbestand, der Stückpreis ist höher als bei Serienproduktion.

Was ist Lagerware bei Merchandise?

Lagerware ist eine Auflage, die vorab in Serie hergestellt und gelagert wird, bis sie verkauft ist. Der Stückpreis ist niedriger, dafür trägst du das Risiko unverkaufter Ware.

Ab wann lohnt sich Lagerware gegenüber Print-on-Demand?

Sobald du mehr von einer Auflage verkaufst, als die Schwelle aus deinen Angebotszahlen ergibt. Im Rechenbeispiel dieses Artikels, das auf Annahmen beruht, lag sie bei rund 68 Prozent einer Auflage von 300 Stück.

Was ist der Unterschied zwischen Print-on-Demand und Dropshipping?

Beim Dropshipping verkaufst du fertige Ware, die ein Lieferant direkt an den Kunden versendet. Bei Print-on-Demand wird das Produkt zusätzlich erst nach der Bestellung nach deinem Motiv bedruckt. Beide Modelle kommen ohne eigenes Lager aus.

Was ist ein Hybridmodell?

Bestseller werden als Lagerware produziert, alle anderen Motive weiterhin auf Bestellung gedruckt.

Welches Modell passt für den Merchtisch auf Tour?

Für feste Mengen zu einem Termin meist Lagerware, weil du die Ware vor Ort brauchst. Für den begleitenden Webshop kann Print-on-Demand sinnvoll sein.

Ist Print-on-Demand nachhaltiger?

Es vermeidet unverkaufte Ware. Ob ein Produkt nachhaltig ist, hängt zusätzlich von Material, Produktion, Lieferweg und Verpackung ab.

Wo finde ich Anbieter für beide Modelle?

In Branchenverzeichnissen und in Vergleichen. Auf MerchScout lassen sich Anbieter für Print-on-Demand und Fulfillment nach Geschäftsmodell ansehen und mit denselben Angaben nebeneinanderlegen.

Anbieter vergleichen und filternPrint-on-DemandFulfillment

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Thomas Müller, Potzblitz Brandworks

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Über diese Angaben

Das Rechenbeispiel beruht auf Annahmen des Autors und ist keine Marktangabe.

MerchScout ist ein Produkt von Potzblitz Brandworks, einer Merch-Strategieberatung für Artists, Brands und Creator. Wir sind in einem angrenzenden Feld selbst tätig und sprechen deshalb keine Empfehlung für einzelne Anbieter aus.

Quellen